Ausweglos
Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt.
Anscheinend hat er jenes Experiment, das er in Karel Čapeks «Komödie» lediglich an seiner Tochter verübte, auch an sich selbst ausprobiert, womöglich um die Forderung des Apostels Paulus zu erfüllen, wonach der letzte Feind, den es zu vernichten gelte, der Tod sei. Nun, während der Ouvertüren-Walzer durch den Saal tänzelt, wird der Doktor emeritissimus Zeuge, wie sie sich schlägt, die mit 337 Jahren vergleichsweise junge Primadonna assoluta namens Emilia Marty.
Yannis Houvardas, von 2007 bis 2013 künstlerischer Leiter des Athener Nationaltheaters, dem Musiktheater aber seit Langem zugetan, scheint die Kritik der deutschen Erstaufführung von Janáčeks Spätwerk «Die Sache Makropulos» zu kennen. Deren Autor, ein gewisser Theodor W. Adorno, rang sich seinerzeit zu dem Lob durch, diese Oper habe «die absurde und ungeheure ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
Ägypten
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–...
Der Schlussgag hätte besser nicht klappen können. Fröhlicher Applaus im erschreckend spärlich besuchten Theater Basel. Karl-Heinz Brandt, eben noch ein engagierter Auktionator, stolpert beim Schritt zurück, strauchelt und stürzt. In diesen Augenblicken passiert etwas Faszinierendes: Man kann spüren, wie das gewissermaßen kollektive «Hoppla» einer unschönen Angst...
Vorhang auf. Gemüseschnippeln in der Küche eines asiatischen Restaurants, passgenau dazu perkussive Klänge aus dem Orchestergraben wie zu einer Kochshow: Da lacht das Koblenzer Publikum. Wer jedoch 2014 die Frankfurter Uraufführung von Peter Eötvös’ «Der goldene Drache» auf das gleichnamige Schauspiel von Roland Schimmelpfennig gesehen hat, weiß: Dieses Lachen ist...
