Lust am Untergang
Der Schlussgag hätte besser nicht klappen können. Fröhlicher Applaus im erschreckend spärlich besuchten Theater Basel. Karl-Heinz Brandt, eben noch ein engagierter Auktionator, stolpert beim Schritt zurück, strauchelt und stürzt. In diesen Augenblicken passiert etwas Faszinierendes: Man kann spüren, wie das gewissermaßen kollektive «Hoppla» einer unschönen Angst und Ahnung weicht, da könne Schlimmeres passiert sein. Es raunt ringsum, dann quiekt es, während Brandt am Boden brüllt und der Inspizient hilflos auf die Bühne eilt.
Arbeitslicht! Vorhang! Nein, Kommando zurück und Schlussensemble: ha, reingelegt!
Die spielerische Präzision, mit der dieser Bühnentrick exekutiert wird, das Staunen und die Ratlosigkeit sind bezeichnend für die gesamte Basler Produktion. Einen Abend lang nämlich erweckt Lydia Steier mit Lust und vergnügten Sängerdarstellern die Tableaus in Strawinskys «Rake» zum Leben. Dafür hat ihr Katharina Schlipf eine opulente Bühne entworfen, die alles buchstäblich einrahmt. Erst ganz zum Schluss purzelt und poltert diese wundervoll absurde Moralkomödie ins Publikum. Man sollte sich eben doch nie zu sicher fühlen.
Dieser Rat gilt nicht zuletzt für den Teufel Nick ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Clemens Prokop
Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener...
Gott ist tot? Von wegen. Allgegenwärtig ist er, allwissend, allmächtig. Und vor allem laut. Ungezählte Male an diesem Abend ist sein (elektronisch gesteuerter) Donner im weiten Rund der Komischen Oper Berlin zu vernehmen, und mag es geschlagene eineinviertel Stunden dauern, bis wir Jupiters endlich ansichtig werden (verkleidet, als vornehmem...
Schwarz oder Weiß, mehr Auswege bietet der Belcanto nicht. Für die Bühnendamen, geknechtet vom Patriarchat, bietet er dennoch Unschätzbares: Vokalfutter, das den Kerlen nicht ansatzweise vergönnt ist, ob Wahnsinn (Donizetti/Bellini) oder Widerstand (Rossini). Wobei sich im letzteren Fall alle Träger des Y-Chromosoms hüten sollten. Jedes Gelächter fällt schließlich...
