Tragödientauglich
Vorhang auf. Gemüseschnippeln in der Küche eines asiatischen Restaurants, passgenau dazu perkussive Klänge aus dem Orchestergraben wie zu einer Kochshow: Da lacht das Koblenzer Publikum. Wer jedoch 2014 die Frankfurter Uraufführung von Peter Eötvös’ «Der goldene Drache» auf das gleichnamige Schauspiel von Roland Schimmelpfennig gesehen hat, weiß: Dieses Lachen ist nicht von Dauer.
Eine Todesspirale fräst sich in das Werk, das nach Frankfurt bereits in Bregenz, Bremerhaven sowie in einer Produktion des Music Theatre Wales zu sehen war, in der nächsten Spielzeit auch in Krefeld auf dem Spielplan steht – und damit seine Repertoiretauglichkeit nachhaltig unterstrichen hat.
Das mag an der übersichtlichen Orchesterbesetzung mit 18 Musikern liegen, ferner daran, dass das Werk ohne Chor auskommt und mit gerade mal fünf Solisten. Doch deren Partien haben es in sich, erfordern den großen Opernton ebenso wie kabarettistische Leichtigkeit: Eingebettet ist beides in mehrere Geschichten, die – nebeneinander, teils verwoben – sämtlich um ein Thema kreisen: das Fremdsein fern der Heimat. Der Tod eines zahnkranken Chinesen, die Reise seines toten Körpers zurück nach China, bedrückend kaputte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Claus Ambrosius
Erst erwürgt Madame Mao ihren Gatten, dann schießt sie alle anderen über den Haufen, Amerikaner wie Chinesen. Schließlich ist es ihr Stück, das hier gespielt wird: «Das Rote Frauenbataillon» sollte, wie alles in Maos Ära, die Vergangenheit den kommunistischen Grundsätzen dienstbar machen, was mit einem Leichenberg aus 50 Millionen Toten endete. Im Libretto von...
Vielleicht war Dieter Schnebel unter den Komponisten der Nachkriegsavantgarde derjenige, der die Grenzen des Experimentellen am weitesten erforschen konnte. Das Reflektieren, Probieren auf den Feldern des musikalisch Neuen betrieb der Musikwissenschaftler, Theologe, Essayist und Hochschullehrer bis ins hohe Alter. Noch kurz vor seinem Tod am 20. Mai präsentierte...
Mit breiter Brust steht er da, überblickt den Marktplatz: der Bronze-Händel. In Halle nennt man ihn den größten Sohn der Stadt. Und feiert ihn seit 1922 mit den Festspielen. Ministerpräsident Reiner Haseloff schwärmt stolz von diesem Sohn, dessen Ausstrahlung in die Welt, schwärmt von der Kulturstadt Halle. Während seiner Eröffnungsrede steht er auf der Bühne des...
