Aufführung des Jahres
Der Dichter spricht. Und preist das Weib. Doch nicht irgendeines ist hier gemeint, sondern keine Geringere als die herzenswilde Königin der Amazonen: Penthesilea. «Zärtlichen Herzens gefühlvoll geweiht / Mit Hunden zerreißt sie, welchen sie liebt, und isst dann, Haut und Haare, ihn auf.» So beschreibt Heinrich von Kleist eine der schillerndsten Frauenfiguren der Antike. Liebende ist diese Frau und Gewalttätige zugleich, «halb Furie, halb Grazie», wie Achill sie bezeichnet.
Ein obsessiver Doppelcharakter, der aufgrund seiner psychologischen Diskrepanz nur schwer zu fassen ist – und wohl auch deswegen von vielen Regisseuren gemieden wurde; zu schwierig schien es wohl den meisten, die Ambivalenzen sichtbar zu machen, das In-Eins-Seiende von Liebe und Gewalt. Einer, der es früh versucht hat, ist Hans Neuenfels. 1981 brachte er Kleists Drama «Penthesilea» auf die Bühne des Berliner Schillertheaters, zwei Jahre später entstand der Film «Heinrich Penthesilea von Kleist». In der Folge der Wiederentdeckung und Etablierung von Othmar Schoecks Musiktheater «Penthesilea» (auch die Semperoper Dresden spielte das Werk in der vergangenen Saison) griff Neuenfels den Stoff erneut auf. Welche ...
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Tempo 80. Vielleicht auch nur Tempo 60. Im Zweifelsfall sogar Stillstand. Wer nach Essen will und über die A 40 kommt, egal ob aus westlicher oder östlicher Richtung, wird allenfalls zu mitternächtlicher Stunde ungestört Fahrt aufnehmen können. Viel zu sehen entlang der Brummi-Route gibt’s ohnehin nicht. Doch den Kulturpilgern ist das egal. Wer nicht gerade mit Bus...
Der Sommer hatte soeben begonnen, da geschah das kleine Wunder: Im Seegebiet vor Rügens Kap Arkona wurde ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal gesichtet. Ein Ornithologe habe das Tier zwei Stunden lang beobachtet und auf seiner verirrten Bahn durch das Meer verfolgt, hieß es in einem Zeitungsbericht. Warum er es tat, erklärte uns Unwissenden hernach ein richtiger...
Die Kür ist für sie nicht neu. Für keinen von beiden. Sowohl Hans Neuenfels als auch Christof Loy waren bereits «Regisseur des Jahres». Letztgenannter, ein im Vergleich zum ewigen Metaphernzauberer Neuenfels mehr als zwanzig Jahre jüngerer Asket reinsten Wassers, sogar schon zweimal. Auch in der vergangenen Spielzeit sorgten beide wieder mit extrem verschiedenen...
