Regisseure des Jahres

Opernwelt - Logo

Die Kür ist für sie nicht neu. Für keinen von beiden. Sowohl Hans Neuenfels als auch Christof Loy waren bereits «Regisseur des Jahres». Letztgenannter, ein im Vergleich zum ewigen Metaphernzauberer Neuenfels mehr als zwanzig Jahre jüngerer Asket reinsten Wassers, sogar schon zweimal. Auch in der vergangenen Spielzeit sorgten beide wieder mit extrem verschiedenen Mitteln für reichlich Diskurs- und Reibungsmaterial. Energetisch, intelligent wie intelligibel fokussieren ihre Inszenierungen auf den Menschen samt seiner Abgründe, samt seiner gesellschaftlichen Verstrickungen.

Mögen auch die Verfahren, die Neuenfels und Loy anwenden, um zum (dramaturgisch genau durchdachten) bühnenwirksamen Ergebnis zu gelangen, gegensätzlicher kaum denkbar sein – eines eint ihre Künstlernaturen: Es ist der präzise, nachgerade röntgenologische Blick auf das, was – musikalisch wie szenisch – wesentlich ist für das jeweilige Stück. Während Neuenfels diesen Blick mit (häufig ironischen) Bildern zu schärfen versucht, geht Loy von der Gestalt im kahlen Raum aus, von der nackten Spannung, die zwischen den Figuren entsteht. Aufladung und Entladung hier (Neuenfels), innere Elektrizität dort (Loy). Spannend, im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Regisseure des Jahres, Seite 58
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf Leben und Tod

Abschied von der Erlösung

«Confidence Games» nennt der amerikanische Religionswissenschaftler Mark C. Taylor die Strategien, die in Religion und Ökonomie für Bewegung sorgen. «Täuschungsspiele» ist wahrscheinlich eine unzureichende Übersetzung, die der Dialektik von Vertrauen und Verdacht, die in diesem Wort mitschwingt, nicht gerecht wird. Für Taylor sind diese...

Verspielte Möglichkeiten

14. April 2008: high noon im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses – der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit mit seinem Staatssekretär André Schmitz, die Fraktionen des Landtags, der Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin Stefan Rosinski, die Intendanten Peter Mussbach (Staatsoper), Kirsten Harms (Deutsche Oper), Andreas Homoki...

Podium deutsche Musik

Die deutsche Frage ist auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein beliebtes Thema geblieben. Während sie politisch seit der Ver­einigung der beiden deutschen Staaten kaum noch eine Rolle spielt, taucht sie in den ästhetischen Debatten der Kulturnation umso öfter auf. Zumal, wenn es im Land Bachs, Beethovens und Brahms’ um die Musik geht. «Von deutscher Seele» – so...