Totentanz
Eine Szene gibt es an diesem Abend, die ist so bewegend, dass sie beinahe atemlos macht. Es ist eine Szene, in der die Musik von Andrea Lorenzo Scartazzini, die sonst so gern auftrumpft, dem Schweigen nahe ist, wo sie dem Bild die Macht überlässt, den Worten. Rechts, am Rand der Bühne, Judit, die Tochter des Mörders Goncalvez, im roten, gleichsam blutdurchtränkten Kleid; links, weit entfernt, der rasende Rächer, Pedro. Hinter ihnen die Fülle der Toten, Geknechteten, Geschändeten. «Kennst du die Liebe?», fragt in diesem Augenblick der Stille Judit. Keine Antwort.
Nur ein leises Flirren, Hauchen im Graben; Engelsgesang, womöglich. Und fast vermeint man, die Rettung sei nahe, die Rettung durch die Liebe.
Liebe: Davon ist wenig die Rede in der Oper in sieben Bildern und einem Epilog «Wut» des jungen schweizerischen Komponisten (Jahrgang 1971), die am Theater Erfurt aus der Taufe gehoben wurde. Ganz im Gegenteil. Das Sujet, dem Mittelalter entliehen und von Christian Martin Fuchs in ein anspruchsvolles Libretto gefasst, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Portugal, im 12. Jahrhundert. Alfons, König von Portugal, will nicht, dass sein Sohn Pedro die schöne Ines, ehemals Hofdame von ...
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Auch der Regen ist der gleiche. Vielleicht liegt es ja daran, dass Bad Ischl und Salzburg nur gute fünfzig Kilometer trennen – in der Festspiel-Atmosphäre sind sich die beiden Bilderbuch-Lokalitäten nicht unähnlich. Bloß dass Mozart in der ehemaligen k. u. k. Sommerfrische Lehár heißt und sich dort folgerichtig (fast) alles um Operette dreht. Selbst am...
Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alterssicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich dafür schon vorher bitter rächende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an...
Es war ein schöner Traum. Kulturhauptstadt Europas 2010, das klang in der Tat hochheilig ernst und erhaben. Aber darum ging es den Görlitzern gar nicht. Jedenfalls nicht in erster Linie. Weit mehr noch, nämlich kulturpolitisch und psychologisch essenzieller, hätte der Zuschlag des Titels die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches bedeutet, wäre er historisches...
