Lauter Aufbrüche

Die finnische Nationaloper glänzt mit neuem Musiktheater und Karita Mattilas Tosca-Debüt

Opernwelt - Logo

Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alters­sicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich da­für schon vorher bitter rä­chende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an Sopranistinnen in seinem Herzen, die er zwar kaum noch, als Tosca aber doch noch live hö­ren durfte. Anders gesagt: Es tut gut, ein «Tosca»-­Debüt bei guten, ja besten Jahren einer Sängerin zu erleben.


Karita Mattila, nach Fortschritten zu Salome und Jenufa, liefert als Tosca ein Porträt von ebenmäßig gerundeter, gesund individualisierter und meist berü­ckender Strahlkraft. Die tränenden Hö­hen ihres «Vissi d’arte» gehören keinem Bravourstück, sondern dem Bekenntnis einer melancholisch angeschlagenen Kämpfernatur. Bei «Mario, Mario» dunkelt und dickt sie die Vokale leicht ein. Manches Legato schliert, bei Impulslauten wie in «Aspetta» merkt man Krafteinsatz und Überfülle des Atems. Aber: Welche Prachtentfaltung pastell­artig gedeckter Farben, dunkler Untergründe und weiblicher Konflikte. Als Scarpia sich ihr nähert, kostet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Kai Luehrs-Kaiser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Dänisches Musiktheater

Der zweiaktige Feldzug wider das moderne Zeitalter hat Strauss’sches Format. Gewaltig schmetterndes Blech, wogende Streicher, dräuendes Orgelpathos. Als sich der dänische Komponist Rued Langgaard (1893-1952) drei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs daran machte, der von Gott abgefallenen Menschheit mit einer Kirchen­oper die Leviten zu lesen, verfolgte er vor...

Unvergessen

Das war lange überfällig! Zu Ute Vinzings siebzigstem Geburtstag, den die unvergessene Hochdramatische der siebziger und achtziger Jahre im September feiern konnte, präsentiert «Gala» auf vier randvoll gefüllten CDs einen Querschnitt durch ihr sänge­risches Lebenswerk. Ein bunter Strauß von Live-Aufnahmen – in der akustischen Qualität streckenweise...

Drama eines Konvertiten

Kein Grund zum Schwarzsehen: In Hannover bietet das Niedersächsische Staatstheater die Geschichte vom Mohren von Venedig zwar gleich im Doppelpack, aber sowohl im Schauspiel wie in der Oper gibt es zum Saisonauftakt mehr nackte als schwarze Haut zu erleben. Im Staatsschauspiel präsentierte Regisseur Las-Ole Walburg Shakespeares «Othello» mit einer Titelheldin (!),...