Probelauf in Rom
Lang ist es her, dass Kirill Petrenko mit seinem spektakulären «Ring» an vier Tagen, 2001 im thüringischen Meiningen, die Basis für seine internationale Karriere gelegt hat. Zu lang, mag sich der Dirigent, bekanntermaßen ein Genauigkeitsfanatiker par excellence, gedacht haben, um ohne Weiteres den Grünen Hügel in Angriff zu nehmen, wo der nunmehr 40-Jährige im Sommer sein Debüt mit Wagners «Ring» geben wird.
Also schaltete Petrenko als persönlichen Zwischen-Check eine konzertante Aufführung des «Rheingold» in Rom ein – und bewies, dass er bestens gerüstet ist für die Mammutaufgabe in Bayreuth.
Nicht mehr Proben als für jedes Sinfoniekonzert hatte er für seine konzertante Aufführung, aber sie müssen höchst effizient gewesen sein. Das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia zeigte nicht nur, welches hervorragende Niveau es unter seinem Chefdirigenten Antonio Pappano inzwischen erreicht hat, sondern wie reaktionsschnell es auch mit einer ungewohnten (Opern-)Aufgabe zurechtkommt. Nur wenige Wackler, dafür geschmeidige Streicher und durchgehend exzellente Leistungen der Solobläser wie der gesamten Blechbläsergruppe.
Petrenko hielt die Musiker am straffen Zügel, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Michael Horst
Er liebte Comics, Zirkus, Zauberei – die vergnüglichen Seiten des Theaters. Jérôme Savarys erste Theatergruppe hieß Grand Magic Circus. Er brachte nicht nur Offenbachs Operetten, sondern auch Helden aus Bildergeschichten wie «Asterix» auf die Bühne. Von 1982 bis 1986 leitete der gebürtige Argentinier das Centre Dramatique du Languedoc-Roussillon, dann bis 1988 das...
Die Geschichte der Lucrezia Borgia – emblematische Figur der Spätrenaissance, Papsttochter und (angebliche) Giftmischerin – ist eines der ungewöhnlichsten Opernsujets des 19. Jahrhunderts. Gaetano Donizetti hatte es 1833 einem brandneuen Schauerstück von Victor Hugo entnommen: ein Panorama aristokratischer Verderbtheit als Polemik gegen die Restauration nach dem...
Edel sieht er aus, hilfreich und gut. Ein Mode-Designer muss ihn eingekleidet haben. Graues T-Shirt, lässig ausgebeultes, schwarzes Sakko, der Umhang anthrazit. Die schwarzen Locken wirken leicht gegelt und sind in die Stirn gekämmt. Ein Dreitagebart rahmt das Gesicht. Der Blick ist nach vorne gerichtet, selbstbewusst, aber nicht aufdringlich. Keine Frage: Dieser...
