Auf dem Trockenen
Ob gesellschaftlicher Underdog oder nicht: Heute weiß fast jeder, wie prekäre Arbeitsverhältnisse aussehen und wie schnell einer in den Wahnsinn getrieben werden kann. So gesehen bietet Alban Bergs «Wozzeck» reichlich Stoff für jeden Regisseur, der auf Vergegenwärtigung aus ist. Doch Christian Tombeil hebt für seine Neuinszenierung am Theater Hof leider nur im Programmheft auf die Aktualität des Werks ab. Auf der Bühne verrennt er sich mit der Ausstatterin Gabriele Wasmuth in ein Konzept, das diesem Meilenstein der Moderne viel, aber glücklicherweise nicht alle Sprengkraft nimmt.
Tombeil verlegt die Handlung in ein Irrenhaus: ein weiß gekachelter Raum mit schmalem Umlauf und einigen Öffnungen. Dort durchmisst der Patient Wozzeck sein Leben als Alptraum quasi noch einmal – und ist zugleich Teil eines Experiments. «Real» handeln hier nur er, der Doktor und die hinzuerfundene Assistentin, die sich per Pappnase in den Narren verwandelt. Alle anderen treten als aus der Zeit gefallene Traumgestalten auf, die der psychisch Kranke imaginiert. Das mag auf dem Papier einleuchten, misslingt jedoch auf der Bühne. Es gibt zu wenig Interaktion, immer wieder geht die dramaturgische Plausibilität ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Monika Beer
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