Nachgestellte Bilder
Das umfangreiche Œuvre von Louis Andriessen, dem 79-jährigen Doyen der niederländischen Avantgarde, ist hierzulande kaum bekannt. 2014 präsentierte Heiner Goebbels «De Materie», eines seiner Hauptwerke, bei der Ruhrtriennale – keine Oper, sondern ein spröder, didaktisch überfrachteter theatraler Essay über das Verhältnis von Materie und Geist, Gesellschaft und Individuum. Handlungsarm ist auch das seit seiner Amsterdamer Premiere 1999 nicht mehr gespielte Stück «Writing to Vermeer», das jetzt in Heidelberg zur deutschen Erstaufführung kam.
Drei Frauen – die Ehefrau Catharina Bolnes, die Schwiegermutter Maria Thins und das fiktive Modell Saskia de Vries – berichten dem auf Reisen befindlichen Vermeer von ihrem häuslichen Alltag und ersehnen seine baldige Rückkehr.
Das englischsprachige Libretto des Filmregisseurs Peter Greenaway greift das Bild der Briefe schreibenden oder lesenden Frauen in Vermeers Gemälden auf, gibt ihrer magisch zelebrierten Stummheit – für Andriessen sind es «die schönsten Gemälde der Menschheitsgeschichte» – eine Stimme, aber mit Ausnahme der lebensfrohen Saskia, wenig individuelles Profil. Unterbrochen wird die auch musikalisch eher kontemplative, ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
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