Schachtelkopfkino
Man sieht, was Rainer Sellmaier jetzt für Tobias Kratzers «Hoffmann» gebaut hat, immer häufiger: das Verkasteln des Bühnenraums in simultane Spielorte. Das ist gut, wenn es um die szenische Analyse eines mehrschichtigen Geschehens geht. Dass Offenbachs und Barbiers Hoffmann-Komplex zu diesen Stücken zählt, daran kann kein Zweifel bestehen. Schade bloß, dass wir einen langen Abend lang im zentralen Schachtelraum immer in ein etwas steril beleuchtetes Künstlerstudio schauen müssen.
Darin steht auch ein schäbiges Klavier, aber eigentlich macht dieser Hoffmann irgendetwas mit Foto und Grafik. Gerade hat er wohl eine «Stella»-Serie in Arbeit, aber meistens liegt er trunken auf dem Bett; seine trist-bohèmistischen Freunde schauen mal vorbei, es gibt Pizza und Bier und nebenbei was von Klein Zack. Doch zu Hoffmanns Glück kümmert sich seine Muse um ihn. Sie kann einem leidtun, so unermüdlich sie hier aufräumt, sorgt und die Hände ringt, weil ihr Künstler sich dauernd in neue katastrophale Liebestrips stürzt und am Ende, in Giuliettas Underground der Laster, sogar an der Nadel hängt. Aber sie liebt ihn ja.
Tapfer singt Irene Roberts gegen die Blässe ihrer Figur an. Gegen die strahlenden ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Holger Noltze
Der Mörder kommt mit der Axt in der Hand. Furchterregend sieht er aus, der kahlköpfige Lagerinsasse Schischkow, in seinem lang-schwarzen Ledermantel, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Abgrund Mensch, vom Teufel besessen, hinabgesunken in das Animalische seiner Existenz. Dabei steht ihm der Sinn jetzt gar nicht nach Gewalt. Schischkow will Zeugnis ablegen von jener...
Ambivalente Gefühlswelten der Liebe lotet die französische Sopranistin Sandrine Piau in ihrer neuesten Solo-CD aus, die sie unter dem Titel «Chimère» – (zu deutsch: Hirngespinst, hier vielleicht besser übersetzt mit: schillernde Täuschung) – veröffentlicht hat. Mit ihr beschließt sie ihr Triptychon von Kunstlied-Programmen, das sie – stets an der Seite von Susan...
Es war Gerard Mortier, der ihn für das Musiktheater gewann. Und das Stück, das der damals, 1982, gerade angetretene neue Intendant der Brüsseler Monnaie-Oper für Karl-Ernst Herrmann und seine Ehefrau Ursel ausgewählt hatte, war Mozarts «Clemenza di Tito». Jenes späte, sinnesprall tragische «Dramma serio», das in seinem psychologischen Tiefgang weit über die...
