Die Zukunft hat begonnen
Den neuen Stil merkt man auf den ersten Blick: «Menschen gestalten – Zukunft bewegen», heißt es in großen weißen Lettern über der Bühne des Dessauer Theaters. Nachdem das Haus unter der Leitung von Johannes Felsenstein eine Trutzburg konservativer Repertoirepflege war, setzt das neue Leitungsteam auf Regietheater mit Aktualitätsanspruch.
Auf den Tag der deutschen Einheit hatte man die «Lohengrin»-Premiere angesetzt, und spätestens im dritten Akt, wenn über der Brautgemach-Szene der Slogan «Vertrauen in Deutschland» hängt, ist klar, dass Regisseurin Andrea Moses die Moral von der Geschicht’ durchaus auch auf die Berliner Republik bezogen wissen will. Vertrauen will man den Volksführern auf der Bühne zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr: Dass mit dem schmierigen Jungpolitiker Lohengrin etwas nicht stimmt, deuteten schon sein mit viel PR inszenierter Auftritt und erst recht sein unsauberes Verhalten beim Duell an.
In Dessau wird «Lohengrin» zum handfesten Politkrimi. Und wie in einem guten Krimi sind die scheinbar Guten am Ende die Bösen. Das ist verblüffend stringent, weil Andrea Moses ganz nah am Text bleibt. Das Negativ-Image Lohengrins etwa verträgt sich ausgezeichnet mit ...
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