Und ewig lockt das Mittelalter
Immer weniger Natur, immer mehr Industrie, mehr Technik, mehr Tempo, mehr soziales Gefälle. Die Menschen im 19. Jahrhundert lehnten sich auf gegen die rasante Veränderung ihres Lebensumfeldes. Schon Goethe ahnte, dass die Entwicklung, deren Anfänge er mitbekam, einschneidend und unumkehrbar war. Und er war froh, dass er sie nicht mehr erleben musste. In der Oper spiegelte sich die Suche nach einer Gegenwelt, nach Ausflucht und den Möglichkeiten einer bunten Fantasie vor allem im Rückgriff auf das Mittelalter.
Zwei denkbar kontrastreiche, lange vergessene Stücke zeigen, wie das konkret klingen konnte. In beiden Fällen musste das Notenmaterial erst mühevoll erstellt werden, war der Aufwand der Einstudierung enorm. In beiden Fällen hat er sich gelohnt. Denn es geht um zwei Wiederentdeckungen von musikgeschichtlicher Signifikanz. Dass die ästhetische Qualität der Stücke oft zu wünschen übrig lässt, steht dazu nicht im Widerspruch.
Das Theater Chemnitz brachte 2008 eine szenische Produktion von «Il templario» heraus (siehe OW 5/2008). Otto Nicolai war dreißig Jahre alt, als er dieses «Melodramma» nach Scotts «Ivanhoe» schrieb. Mit seinen späteren «Lustigen Weibern von Windsor» hat es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dieser Hauptdarsteller dürfte der älteste sein, den eine Oper jemals gesehen hat: 450 Jahre zählt der Tempel, den der chinesische Aktionskünstler Zhang Huan auf die Bühne von La Monnaie verfrachtet hat. Bis auf das etwas verblichene Gebälk, ein paar Altersflecken auf den steinernen Säulen und die Tatsache, dass es obenrum schon ziemlich kahl aussieht, scheint er...
Die Neuproduktion von «Tristan und Isolde», mit der die Royal Opera zugleich die erste Premiere der neuen Spielzeit vorstellte, ist die jüngste einer mittlerweile beträchtlichen Reihe von Christof-Loy-Inszenierungen an Covent Garden. Kaum ein zweiter Regisseur, zumal keiner aus Deutschland, ist mit seinen Arbeiten an diesem Haus so verankert wie Loy. Diese Präsenz...
Er hätte ja gehen können, aber er blieb. Für lange. Haydn hielt den Ersterházys die Treue. Wohl auch, weil dort das Theaterleben munter brummte: Zwei Theatergebäude, ein großes Opernhaus, dazu ein kleineres Marionettentheater boten viele Möglichkeiten. Knapp 90 Opern hat Haydn dort binnen 14 Jahren einstudiert. Einziges Manko: Ihm standen kaum taugliche Solisten...
