Schlichte Größe
Glücklich ein jeder, der dieser Muse angesichtig wird. Ein ätherisch schönes Wesen, blond wie ein Engel, anmutig in den Bewegungen, mit geschmeidiger, einschmeichelnder Stimme – Gesine Nowakowski ist es, höchst talentierte Sängerin, noch nicht ganz zur Reife gediehen. Dirigent müsste man sein, jedenfalls in dieser durch und durch sehenswerten Produktion, dann würde man La Musicas zärtliche Hände wohl auch auf dem Haupt spüren.
Wolfgang Katschner, der den Hallenser «Orfeo», dessen Premiere ziemlich exakt vierhundert Jahre nach der Uraufführung von Monteverdis favola in musica stattfand, an der Spitze des Händelfestspielorchesters Halle verantwortet, sei das holde Händchen gegönnt. Denn er selbst besitzt es, in anderer Ausprägung, für die fragile, und zumal rhythmisch und syntaktisch so außerordentlich komplexe Partitur. Ein Spagat ist es immer, die Konturen von Monteverdis Klangbildern zu zeigen, ohne der profunden rhetorischen Macht dieser Musik allzu nahe zu treten. Katschner und seinen fabelhaften, mit Feinsinn zu Werke gehenden Musikern gelingt dies vortrefflich und mit einem gehörigen Reichtum an klangfarblichen Facetten – wenngleich gewisse intonatorische Eintrübungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Klage «Manca la diva» kann man heute nur noch selten erheben, wenn es um Aufführungen des romantischen Belcanto-Repertoires geht, und auch die Tenöre singen technisch und stilistisch meist kompetenter als ihre Vorgänger vor einem halben Jahrhundert. Doch die Frage, wie man den Werken szenisch adäquat beikommt, ohne den Primat des Gesangs anzutasten, wird in den...
Wer in Aachen in die Oper will, muss sich auf eine Insel begeben. Eine Art «Ile du Théâtre», denn der weiße Bau mit seinem Säulen-Entrée ist zu allen Seiten von Straßen umgeben. Man hat eine der dicht frequentierten Kreuzungen zu überwinden. Ein stadtplanerischer Unglücksfall?
Als der Bau in den frühen 1820er Jahren Gestalt annahm – nach Plänen, die Friedrich...
Es gibt wohl keinen zweiten Komponisten der neueren Musikgeschichte, der so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wird wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die ambitionierten «Königskinder» konnten an diesen Erfolg auch nicht annähernd anknüpfen. Und dass Humperdinck daneben noch weitere Märchenstoffe wie...
