In der Jahrhunderthalle
Im niederschlesischen Wroclaw, zu dem man wieder Breslau sagen darf, ohne als Revanchist verdächtigt zu werden, steht ein luxuriös restauriertes Opernhaus, samtweich und goldglänzend. Aber weil sich die Handwerker auch nach der offiziellen Eröffnung noch ungebührlich viel Zeit lassen, weicht die Intendantin weiter aus. An den verrücktesten Orten hat sie schon spielen lassen. Warum dann ihr ehrgeizigstes Projekt, Wagners «Ring», nicht gleich in Walhall selbst?
Der Götterhimmel liegt am Stadtrand.
Hier hockt Max Bergs «Jahrhunderthalle», beinahe hundertjährig und noch immer ungeheuer kühn in ihrer Anlage: von außen eine Art Riesen-Moschee; mit ihrer gewaltigen Betonkuppel ein gestrandetes Ufo von innen. Platz ist hier für fünftausend, genau die richtige Größe also für Sportspektakel und Opernereignisse.
Wagner im Event-Schuppen – warum nicht? In der einstigen Wagner-Stadt Breslau wurde der «Ring» seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufgeführt. Mit zäher Leidenschaft hat ihn die Intendantin Ewa Michnik der Stadt gleich in monumentaler Größe zurückgegeben. Allen Skeptikern zum Trotz feierte die «Götterdämmerung» Ende Juni Premiere – der ersten, für Oktober geplanten zyklischen ...
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So schlimm, wie das Gemälde auf dem Cover nahe legt, kommt es in Domenico Cimarosas im Revolutionsjahr 1789 für den Petersburger Hof komponierter «Cleopatra» nicht. Die Königin hat hier noch keine Veranlassung, sich die Natter an die Brust zu legen, denn vorläufig geht ja alles nach ihren Wünschen.
Ferdinando Morettis Libretto hat mit Shakespeares Tragödie nicht...
Muss das Musikfestival im südfranzösischen Aix-en-Provence unbedingt einen «Ring des Nibelungen» schmieden? Wotan im südlichen Licht? Alberich aus dem Luberongebirge? Die Rheintöchter aus der Rhône? Immerhin gab es schon einmal einen «Ring» im antiken Theater in Orange (Regie: Jean-Claude Riber, Dirigent: Marek Janowski): sehr imponierend, die germanischen Götter...
Schon etliche Jahre vor der vom Stalin-Regime verfemten «Katarina Ismailowa» tobte sich Schostakowitsch in «Die Nase» kompositorisch heftig aus. Die absurde, lange vor Kafka von Nikolaj Gogol erdachte Situation eines Nasen(=Identitäts)verlustes kam dem vibrierenden Naturell des Komponisten entgegen, die hysterisch hochschäumenden Vorgänge der Novelle entfesselten...
