Stillstand vor der Mauer
Muss das Musikfestival im südfranzösischen Aix-en-Provence unbedingt einen «Ring des Nibelungen» schmieden? Wotan im südlichen Licht? Alberich aus dem Luberongebirge? Die Rheintöchter aus der Rhône? Immerhin gab es schon einmal einen «Ring» im antiken Theater in Orange (Regie: Jean-Claude Riber, Dirigent: Marek Janowski): sehr imponierend, die germanischen Götter vor der hohen Steinmauer unter der Statue des Kaiser Augustus ihre Konflikte austragen zu lassen.
Auch Nizza nahm sich des Wagner-Werks einmal an, sehr spielerisch und witzig von Daniel Mesguich als lockerer Epilog zum Bayreuther Chéreau-Jubiläums-«Ring» von 1976 inszeniert.
Die Opernrealitäten im einundzwanzigsten Jahrhundert nehmen auf Geographie, Tradition, Ästhetik keine Rücksicht mehr. Erlaubt ist, was gefällt und vor allem Kasse macht. Wagners «Ring» besitzt alle Eigenschaften eines solchen Kassenfüllers: Er ist ein Event, nach dem die Leute lechzen. Speziell die Franzosen gebärden sich geradezu Wagner- und «Ring»-verrückt, und Stéphane Lissner, seit fast zehn Jahren Künstlerischer Leiter des Festival International d'Aix-en-Provence, versteht es wie kein zweiter Theaterchef, auf der Klaviatur aus ...
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Es ist ein Juwel barocker Theaterbaukunst, das Königliche Schlosstheater zu Drottningholm aus dem Jahr 1766. Vor den Toren Stockholms gelegen, überstand es – nahezu einhundertfünfzig Jahre dem Vergessen anheimgegeben – völlig unbeschadet die Zeitläufte. Architektur, Bühnenmaschinerie und Ausstattung des Theaters samt Nebenräumlichkeiten und angeschlossenem...
Seit 1997 bietet das «Festival Amazonas de Ópera» jährlich ein mit Bedacht gemischtes Programm, darunter nicht nur das gängige Repertoire, sondern etwa im Vorjahr den in grandios konzentrierter Anstrengung gestemmten «Ring»-Zyklus, die erste brasilianische Gesamtaufführung (siehe OW 7/2005). Natürlich finden sich auch Werke einheimischer Komponisten, von Carlos...
Schon etliche Jahre vor der vom Stalin-Regime verfemten «Katarina Ismailowa» tobte sich Schostakowitsch in «Die Nase» kompositorisch heftig aus. Die absurde, lange vor Kafka von Nikolaj Gogol erdachte Situation eines Nasen(=Identitäts)verlustes kam dem vibrierenden Naturell des Komponisten entgegen, die hysterisch hochschäumenden Vorgänge der Novelle entfesselten...
