Volle Kraft voraus
Wir haben es ja schon immer geahnt: Sachsen-Anhalt ist der ideale Ankerplatz für Geisterschiffe. Gleich drei neue «Fliegende Holländer» kommen in dieser Spielzeit dort heraus, zum Saisonstart in Dessau und Halle, im Januar zieht dann Magdeburg mit einer Inszenierung von Vera Nemirova nach.
Während in der Berliner Opernstiftung Premieren-Doubletten oder gar -Tripletten von Kernrepertoire-Werken strengstens ver-boten sind, die Hauptstadt-Intendanten also wie Wagners verfluchter Seemann jeweils warten müssen, bis die Frist um ist, kennen die Theater in Sachsen-Anhalt offensichtlich keinen Absprache-Fluch. Ja, die Bühnen haben sogar selbstbewusst ein Kombiticket mit Preisnachlass erfunden, für reisefreudige Wagner-Fans, die alle Produktionen besuchen wollen – und bei einer «Holländer hoch 3»-Soiree in der hauptstädtischen Landesvertretung die eigene Leistungsfähigkeit gefeiert.
Wie zum Beweis, dass die Deutungsmöglichkeiten von Klassikern unerschöpflich sind, zeigen die Regisseure in Dessau und Halle tatsächlich absolut gegensätzliche Zugriffe auf das Werk: Jakob Peters-Messer bietet am Anhaltischen Theater ernsthaftes, filmrealistisches Musiktheater in Felsenstein-Tradition, Florian ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Frederik Hanssen
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