Klangspuren des Expressionismus
Für Schönberg war das Musiktheater zeitlebens ein dorniges Gelände. Eine musikdramatische Energie scheint freilich auch in Werken zu wirken, die nicht für die Bühne konzipiert wurden. Und sie stand im Zentrum jener beredten Stückauswahl, die Winrich Hopp für den Schönberg-Schwerpunkt des Berliner Musikfestes getroffen hatte. Neben Mahler, Nielsen und Komponisten der Gegenwart war es vor allem der Kosmos Schönberg, der dem Musikfest Struktur, Vielfalt und Farbe verlieh.
Schönberg, einst Schreckgespenst, jetzt «Vaterfigur»? So sieht ihn Wolfgang Rihm: «Schönberg ist die Zusammenfassung des klassisch-romantischen Erbes, er integriert Wagner und Brahms, die ihrerseits eine Art Integration von Wiener Klassik und Bach realisierten.» Berliner Schönberg-Highlights seines frühen dramatischen Expressionismus – das Monodram «Erwartung», der Sketch «Die glückliche Hand» und das Oratorium-Fragment «Die Jakobsleiter».
Markant der symphonische Einstieg in Schönbergs Welt: Daniel Barenboim musizierte, ohne Partitur, mit seiner Staatskapelle die spätromantisch «Verklärte Nacht», die atonalen Fünf Orchesterstücke op. 16 und die heiklen Zwölfton-Orchestervariationen op. 31. Das dramatisch exaltierte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2015
Rubrik: Musikfest Berlin, Seite 57
von Wolfgang Schreiber
Zu Sebastian Baumgartens Bayreuther «Tannhäuser» ist in dieser Zeitschrift das Notwendige gesagt worden (siehe OW 9-10/2011). Über Joep van Lieshouts «Technokrat»-Installation, in der die Figuren zur Biomasse einer auf Bedeutungshuberei gepolten Assoziationsmaschine schrumpfen. Über die prätentiöse, dialektisch verschraubte Antitheater-Attitüde, der alle Emphase...
Als in Paris «Echo et Narcisse» in Bausch und Bogen durchfiel, kehrte Gluck 1779 verbittert nach Wien zurück: Nie wieder eine Oper! Doch schon vor «Narcisse» hatte er begonnen, sich mit dem Danaiden-Stoff auseinanderzusetzen, und 1782 war die Schmach so weit vergessen, dass er das Schmollen wieder ließ. Da seine Rechte nicht mitspielte, ging ihm der junge Antonio...
Was heißt musikalische Moderne? Ich will dieser Frage, angeregt durch das aktuelle Programm des Musikfestes und besonders durch den Schwerpunkt Arnold Schönberg, ein paar aphoristische Gedanken widmen. Eine kleine Etüde gewissermaßen, die den Begriff umspielt. Wie fast jede Etüde beginnt sie in einer festen Tonart, um sich dann für heilsame Verwirrung zu öffnen.
Eig...
