Viva Verdi! Wirklich?
Zweitausenddreizehn ist Verdi-Jahr. Oder eher Wagner-Jahr mit einem kleinen Verdi-Anhang? Jedenfalls fand in Italien der «bicentenario verdiano» kaum statt. Was allerdings weniger an Wagner liegt als an der aktuellen Krise Italiens. Zwar hat das römische Parlament über sechs Millionen Euro zur Feier von Verdis 200. Geburtstag zur Verfügung gestellt. Aber diese Gelder wurden erst im Mai 2013 (!) freigegeben, also viel zu spät für jede seriöse Planung.
Dem Vernehmen nach floss eine Million in die Renovierung seines Geburtshauses in Le Roncole, eine weitere wurde dem Privatbesitzer (dazu später) von Verdis Villa in Sant’Agata zur Verfügung gestellt, ebenfalls für Renovierungsmaßnahmen, eine dritte dem Teatro Regio in Parma. Dort laboriert man seit Jahren an einem wenig profilierten «Festival Verdi» und war sicher dankbar, auf diese Weise ein Schuldenloch von mehreren Millionen wenigstens teilweise stopfen zu können.
Nachhaltigkeit sieht anders aus. Aber Italien ist sich seines «Besitzes» an Verdi, der Ikone der nationalen Einigung, offenbar sicher. Der Präsident des Senats, der im Kampf gegen die Mafia hoch verdiente Staatsanwalt Pietro Grasso, unterstrich in seiner offiziellen ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Essay, Seite 14
von Anselm Gerhard
Der 150. Geburtstag Claude Debussys im vergangenen Jahr hat seiner einzigen vollendeten Oper «Pelléas et Mélisande» wieder verstärkte Aufmerksamkeit verschafft. Zum Zeitpunkt der Uraufführung (1902) war sie ein revolutionäres Werk, das sich mit Konsequenz aus den damals in Paris dominierenden Trends des Wagnerisme und eines Realismus à la «Louise» zu befreien...
Eine New Yorker Polizeischule mag ein ungewöhnlicher Ort sein, um die Frage «Was ist Kunst?» zu erörtern – eine Frage, die Paul Hindemith einst an seine drei Komponistenkollegen Darius Milhaud, Ernst Toch und Kurt Weill gerichtet hatte. Aber für die Gotham Chamber Opera erwies sich das intime Gerald W. Lynch Theater im John Jay College of Criminal Justice in...
Der Motor schnurrt, die Scheibenwischer schmatzen. Im Radio läuft BBC Radio 3. Der Flughafenbus-Fahrer macht eine wegwerfende Geste in Richtung des Marmor-Eisbergs unten am Wasser: «Wir haben einfach zu viel Geld», lacht er. Einspruch! Erstens, weil der Snøhetta-Bau zu den schönsten Opernhäusern der Welt gehört. Wie einfallslos und museal nimmt sich dagegen ein...
