Editorial
Ist Lieschen Müller das Maß aller Dinge? Walter Felsenstein unterwarf sich der Autorität der allgegenwärtigen Dame: Wenn Lieschen Müller etwas nicht verstehe, dann könne mit diesem «etwas» kaum alles in Ordnung sein. Joachim Herz, Schüler und Nachfolger Felsensteins an der Komischen Oper Berlin, formulierte das kürzlich bei einem Kongress in Lissabon auf seine Weise.
Regie habe nicht nur eine Verpflichtung gegenüber dem Werk, sondern auch gegenüber den Zuschauern und «ihrer Aufnahmefähigkeit, die ja nicht immer deckungsgleich ist mit den Paketen an Bedeutsamkeit, die ein sinnender Regisseur ihnen bietet». Mit anderen Worten: Es ist alles eine Sache der Kommunikation. Bei diesem «Wie» freilich gehen die Meinungen auseinander. Regisseur Stefan Herheim, «Regisseur des Jahres» im letzten «Opernwelt»-Jahrbuch, erklärte in Lissabon, es könne schon mal zu «traumatischen» Erfahrungen kommen, wenn der Kontakt zum Publikum sich nicht herstelle, wenn sich eine Regiesprache nicht erschließe. Es sei aber nichts falscher als die Befriedigung von Erwartungshaltungen.
Unsere vorliegende Ausgabe greift solche zentralen Fragen vielfach auf. Neben einem Kongressbericht von der Europäischen ...
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