Verdi: Otello
Auf riesiger, dreiteilig den ganzen Bühnenraum begrenzender Foto-Tapete ist im Augsburger «Otello» ein brausendes Meer gemalt (Bühne und Kostüme: Markus Meyer). So spiegelt die stets gegenwärtige Brandung zeichenhaft die immer aufgewühltere Seele Otellos, dem man Eifersucht beharrlich in die Ohren träufelt. Wie Anthony Pilavachi schon den von Wind und Wetter gepeitschten Chor zur Musik rhythmisiert über die Bretter wogen lässt, zeigt einen ebenso realistisch zupackenden wie theatralischen Zugriff.
Auch der Wechsel von Massenszenen und intimen Begegnungen in einer modernen Wohnlandschaft gelingen dem Regisseur ausgezeichnet, selbst Nebenfiguren wie Rodrigo (Robert Sellier) und Ludovico (Greg Ryerson) offenbaren erstaunliche Bühnenpräsenz. Nur am Ende zerfranst die Aufführung etwas unter einem Meer von mehrfach umdrapierten Grablichtern.
Pilavachi hat mit dem wahrhaft dämonisch singenden Riccardo Lombardi als Jago, dem dunkel timbrierten Jeroen Bik als Otello (dem die Höhe zu schaffen macht, am Ende aber ein überzeugend fahler Ton zur Verfügung steht), und einer immer schöner und erfüllter singenden Magdalena Bränland (Desdemona) ein Solisten-Trio zur Verfügung, das seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Verbindung computergesteuerter Sounds mit Lichteffekten ist in der kommerzialisierten Technoszene gang und gäbe. Die klassische Konzertsituation, selbst der neuesten Musik, hält sich von solch grenzüberschreitender Wahrnehmung fern. Nicht körperbefreiende Ekstase oder gar Trance, sondern rationale Versenkung ins Kunstwerk ist ihr Ziel. Der österreichische...
Das Trojanische Pferd blieb draußen vor der Tür: eine sechs Meter hohe Sehenswürdigkeit. Was drinnen, im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin, über den Schienenstrang auf Hermann Feuchters Bühne herankurvte, war ein trojanischer Panzer mit gewaltiger Kanone. «Les Troyens», das Gipfelwerk des von der elsässischen Drei-Städte-Oper neuerdings ganz speziell...
Er hat es schon eine Nummer kleiner probiert. 1992 zum Beispiel, als er für acht Tage Frontleute aus Klassik und Pop zusammenholte. Gidon Kremer und Philip Glass, Laurie Anderson und Lou Reed spielten damals im Münchner Gasteig auf. Das «Art Projekt» entzückte alle, die beteiligten Musiker, das Publikum, die Rezensenten. Bloß den Produzenten «brachte es fast um»....
