Mahler zwischen Minaretten
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Mahler-Symphonie in Istanbul gespielt wird. Es ist auch nicht das erste Mal für das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra. Im Jubiläumsjahr 2010 stand die Sechste auf dem Programm. Die Dritte war am Bosporus zuletzt vor rund zwanzig Jahren zu hören, für die meisten Hörer im Lütfi Kirdar Kongresszentrum dürfte sie neu sein, ebenso für viele Musiker des privat finanzierten Orchesters. Eine Herausforderung – ganz bewusst. Ohne die kann sich schließlich kein Orchester entwickeln.
Dabei hat es Sascha Goetzel, Chefdirigent seit 2008, mit dem Entwickeln gar nicht so leicht. Denn der 1999 gegründete Klangkörper – den Borusan, einer der umsatzstärksten Konzerne der Türkei, der Stadt quasi geschenkt hat, um einen Beitrag zur Modernisierung der Türkei zu leisten und für mehr abendländische Klassik in Istanbul zu sorgen (siehe OW 03/2010) – besteht im Kern aus nur fünf angestellten Musikern: dem Borusan Streichquartett und der Konzertmeisterin. Die übrigen kommen aus einem Pool von 180 Instrumentalisten, die überwiegend ihr Brot in staatlichen Orchestern verdienen.
Goetzel kontert mit strategischer Besetzungspolitik. An den ersten Pulten sitzen ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Wiebke Roloff
Die Satiriker-Formel trifft das Doppelbödige, Abgründige im Homo sapiens: Benimmt sich jemand wie ein Mensch, heißt man ihn «armes Schwein», verhält er sich wie ein Schwein, sagt er: «Man ist doch auch nur ein Mensch!». Goethes «Edel sei der Mensch, hilfreich und gut» und die Bestialität, der dieser fähig ist, bleiben Pfahl im Fleische hoher Humanität, belegen doch...
Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das erste Opernhaus unter der modischen Überschrift «Elektra I & II», die Richard-Strauss-Oper mit Manfred Trojahns «Orest» als Fortsetzung koppelt. Das Atriden-Double nähme es in Sachen Sex (eher weniger) und Crime (dafür umso mehr) durchaus mit Wagners «Götterdämmerung» auf, wäre aber dennoch deutlich kürzer.
Die Sache...
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