Außer Atem
Fast senkt Will Humburg selbst ein wenig die Stimme, wenn er daran erinnert, dass der Titel «La forza del destino» in Verdis Heimat meist hinter vorgehaltener Hand erwähnt wird. Man ist abergläubisch jenseits der Alpen. Und angesichts des pessimistischen, fatalistischen Strudels, in den die Hauptfiguren von Anfang an geraten, ahnt man, warum «l’opera innominabile», die unaussprechliche Oper, in Italien relativ selten auf den Spielplänen erscheint.
An deutschen Theatern ist man weniger zimperlich und stellt sich dem düsteren Treibstoff namens Schicksal so willig wie der Überraschungsdramaturgie des Librettisten Francesco Maria Piave, die der klassischen Ausgewogenheit der Schauplätze und Ökonomie der Auftritte Hohn spricht. Jüngste Beispiele: die Spielzeitpremieren in Köln und Osnabrück. Will Humburg, der seinen Chefdirigentenposten in Catania in diesem Frühjahr entnervt niederlegte und den kunstfeindlichen Zuständen in Italien den Rücken kehrte, weist gern auf die komplizierten Szenenwechsel zwischen Palazzo, Schlachtfeld und Kloster hin, die auch die Protagonisten regelrecht fortspülen: Nur zweimal begegnet sich das hohe Paar Leonora und Alvaro, und eigentlich ist es schon beim ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Michael Struck-Schloen
Das Jahrbuch von «Opernwelt» hat auch 2012 wieder vielfältige Reaktionen ausgelöst. Besonders hoch her ging es diesmal in Köln. Die dortige Oper wurde bekanntlich zum «Opernhaus des Jahres» wie auch zum «Ärgernis des Jahres» gewählt: Anerkennung für drei Jahre künstlerischer Aufbauarbeit wie Abrechnung mit der Kulturpolitik. Sofort nach Bekanntwerden dieser...
Am 30. September ging in den Niederlanden der 49. Internationale Gesangswettbewerb ’s-Hertogenbosch zu Ende. Zehn von 240 Sängerinnen und Sängern aus 40 Ländern schafften es ins Finale. Was die Siegerin betrifft, waren sich die Zuhörer mit der Jury unter Ioan Holender, dem ehemaligen Intendanten der Wiener Staatsoper, einig: Sowohl der Grand Prix der Stadt im Wert...
Nach Anthony Pilavachis außergewöhnlichem «Ring» in Lübeck durfte man gespannt sein. Tatsächlich wurde nun auch «Parsifal» ein für die Hansestadt bedeutendes Theaterereignis, das über regionale Grenzen hinweg auf Interesse stoßen dürfte.
Pilavachis Deutung beginnt mit einem szenischen Vorspiel, das am Schluss rahmend wiederkehrt: Dem sterbenden Parsifal wird die...
