Auf der Kippe
Eine zweite Heimat am Oberrhein: Dazu scheinen sich Basel und Freiburg für Calixto Bieito zu entwickeln. In der nächsten Spielzeit geht es mit Janáceks «Totenhaus» dort und Ligetis «Grand Macabre» hier weiter. Kurz nach der Baseler «Lulu» (OW 4/2009) indessen erst mal Manuel de Fallas «La vida breve» im Breisgau. Das bedeutet zunächst einen Umzug des knappen, diesmal ohne «Zugabe» gespielten Eineinviertelstünders aus Granada in eine südamerikanische Favela.
Die Armut dort scheint dem Regisseur heute eine angemessenere Elendsumgebung abzugeben als das spanisch-gitanische Original.
Rebecca Ringst hat eine drangvoll enge, waben- oder zellenartige Massenbehausung gebaut – nicht unähnlich der Wernicke’schen für seinen Bach-Kantaten-Abend, nur weit gröber gezimmert, weit roher, weit behelfsmäßiger, aus Sperrmüll, aus Holzresten. In dieser Enge brütet die Bedrohung, nistet potenzielle Gewalt, brodelt permanent eine ungute Stimmung. Lange jedoch herrscht, im schummrigen Halbdunkel eine nicht recht durchschaubare, fast Bieito-untypische Ruhe. Schon hier spinnt der Regisseur die Fäden des Werks weiter. Dann kommt es doch zum unvermeidlichen Ausbruch – in den Tanzrausch, in die brutale ...
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Paul Celan ist heimgekehrt. 1958 verlieh man ihm den Literaturpreis der freien Hansestadt Bremen, jetzt produzierte das Bremer Theater die 2001 in Dresden uraufgeführte und seitdem von Mainz und Köln nachgespielte «Celan»-Oper von Peter Ruzicka. Eine Aufführung, die trotz großer Meriten die schon geäußerten Zweifel an diesem Werk (OW 5/2001 und 6/2003) nicht...
Die Realität von Janáceks «schwarzer» Oper – eine der finstersten der an düsteren Werken gar nicht so armen Operngeschichte des 20. Jahrhunderts – verweigert sich jedem theatralischen Realismus. Was hier in pausenlosen hundert Minuten auf die Sinne des Zuschauers und -hörers einstürmt, ist weniger die ungeschönte Brutalität der Handlung als die körperhafte Präsenz...
Wolfgang Rihm griff bei seinen Opernstoffen seit jeher zu großer Literatur – Georg Büchner («Jakob Lenz»), Heiner Müller («Hamletmaschine»), Sophokles/Hölderlin («Oedipus») und Antonin Artaud («Die Eroberung von Mexiko») dienten als Textlieferanten. Im kommenden September fasst das Theater Basel drei seiner kürzeren Arbeiten – «Aria/ Ariadne» (nach Nietzsche), «Das...
