Land unter...
Im wunderschönen Monat Mai / kroch Richard Wagner aus dem Ei. / Es wünschen viele, die ihn lieben, / er wäre besser dringeblieben.» So bedichtete der Gesamtkunstwerker sich selbst zum Geburtstag. Vielleicht hätte er noch giftiger gereimt, müsste er in seinem Walhall sehen, wie das Jahr 2013 drohend am Horizont steht und damit sein 200. Geburtstag unerbittlich heranrückt.
Soll er mit dem magnum opus, dem «Ring des Nibelungen» gefeiert werden, muss ein Haus beizeiten bestellt werden: Die ganze Tetralogie in einem Jahr (oder gar, wie einst in Bayreuth oder Meiningen, in einer Woche) herauszubringen, ist in den meisten heutigen Operntheatern unmöglich. Paris, Frankfurt, die Scala in Mailand und Sofia verteilen das Vorhaben auf vier Jahre. Das beschert in dieser Spielzeit einen Boom von «Rheingold»-Aufführungen. In Sofia wählte man für die Premiere ein besonders symbolschwangeres Datum: Wagners Geburtstag. Überdies wird zwei Tage später in Bulgarien der «Tag der Bildung und Kultur» betrauert – gefeiert kann man nicht sagen, denn die im vergangenen Juli angelobte Regierung Bojko Borissov hat nicht nur die dringend nötige Bekämpfung der Korruption angekündigt, sondern auch einen eisernen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was für ein Schicksal im frühen 18. Jahrhundert: Der Jude Joseph Süß steigt als Finanzberater zum mächtigen Geheimrat am Hof des Herzogs von Württemberg auf – und wird nach dessen Tod Opfer eines von der Öffentlichkeit begeistert gefeierten Justizmordes. Kein Wunder, dass die historische Figur die Nachwelt zur Auseinandersetzung angeregt hat, vom Märchen-Erzähler...
Wenn es eines Beweises bedurfte, dass das Bühnenbild die Regie beherrschen oder sogar depotenzieren kann, so hätte die neue Hamburger «Aida» diesen Beweis erbracht. Johannes Leiacker, in Hamburg bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Peter Konwitschny («Don Carlos», «Die Meistersinger» und «Moses und Aron»), situiert das Geschehen in einen klinisch-kalten, ständig...
Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wer die übelsten Ausgeburten des Opernunsinns diskutiert, landet schnurstracks bei Webers «Euryanthe». Was die unglückselige Helmina von Chézy da zusammendichtete, ist der Libretto-GAU par excellence, der größte anzunehmende Unfall. Wie die engelgleiche Titelheldin von dem Intrigantenduo Eglantine/Lysiart aufs...
