Auf Abwegen
Bildmacht ist Barrie Koskys Theater gewiss nicht abzusprechen. Olympia: ein Doppelwesen, bestehend aus einer tumben Stoffpuppe (einem Mann) und einem Automatenmöbel, aus dessen mittlerer Schublade ein roter Rapunzel-Zopf hervorzüngelt. Hoffmann, aufgespalten in gleich drei Figuren, sitzt als alter Mann (Uwe Schönbeck) auf einer Riesenraute aus leeren Pfandflaschen und sieht aus wie der Kritiker Dennis Scheck. Der flächige Kippschalter, über den Auf- und Abtritte erfolgen, ist ein Meisterstück suggestiver Bühnentechnik.
Und doch wird man mit diesem «Hoffmann» nicht glücklich.
Die eingespeisten Prosatexte, das skelettierte Musikkorpus, die «Don Giovanni»-Zitate, all das wird ohne weiteren Hinweis in einer dreistündigen Fassung verwurstet, die vorgibt, das Original zu sein. Die Transengruppen und Arschwackeltruppen – ein Markenzeichen des Hausherrn – bevölkern die Bühne allzu wohlfeil.
Vor allem verfügt keine Figur über mehr psychologische Tiefe als ein Nummerngirl. Jede Bewegung wird von der Rampe her definiert. Koskys Theater, im dritten Jahr seines erfolgreichen Wirkens in Berlin, droht sich in der Endlosschleife eines hüftschwingenden Revuegeistes zu erschöpfen. Es repräsentiert ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Kai Luehrs-Kaiser
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