Apropos... Experte für Neues
Herr Katzameier, Sie werden weltweit als Sciarrino-Spezialist geschätzt, an der Berliner Staatsoper haben Sie gerade an zwei Uraufführungen mitgewirkt, bei den Salzburger Osterfestspielen 2019 kommt «Thérèse» heraus, ein Werk von Philipp Maintz, bei dem Sie nicht nur die männliche Hauptrolle singen, sondern zu dem Sie auch das Libretto geschrieben haben. Wann sind Sie in die Schublade «Neue Musik» gerutscht?
Erst nach 15 Jahren im klassischen Repertoire.
Zunächst lag mein Schwerpunkt auf Lied und Oratorium, allein die Matthäus-Passion habe ich über 80-mal gesungen. Dann kam allmählich die Oper hinzu, viel Mozart und vor allem Barock- und Rossini-Partien, weil mir Koloratur immer sehr leicht fiel. In ein Festengagement wollte ich nie, weil mir der Konzertgesang dafür zu wichtig war. Als ich dann nach langer Zeit fest an ein Haus ging, nach Luzern, habe ich recht schnell festgestellt, dass das nicht passt für mich. Aber ich sang in Luzern auch zum ersten Mal eine Sciarrino-Oper, und dabei hat der Komponist meine Stimme für sich entdeckt.
Eine Affinität zum Zeitgenössischen hatten Sie da aber schon, oder?
Ja, absolut. Als ich zwölf Jahre alt war, hat uns die Musiklehrerin Messiaens ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Frederik Hanssen
Shibuya Crossing, an einem milden Februar-Abend. Wenn die Fußgängerampeln Grün zeigen, ist von den strahlendweißen Zebrastreifen, die Tokios berühmteste Straßenkreuzung zieren, nichts mehr zu sehen. Aus allen Richtungen ergießen sich gigantische Menschenwellen auf den Asphalt. Sie strömen an den Rändern des von trendigen Shopping Malls, von Wolkenkratzern und...
Im Booklet seines neuen Recitals «Ombra mai fu» erscheint Philippe Jaroussky als bunt gefiederter Botschafter des venezianischen Karnevals. In der Tat widmet er sein neues Album der Lagunenstadt und einer ihrer ehemaligen Zelebritäten – gemeinsam mit dem Ensemble Artaserse untersucht Jaroussky den gewichtigen Beitrag Francesco Cavallis (1602-1676) zur...
Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen. Traurige Erkenntnis ist...
