Bloß keine Schicksalswolken
Manon Lescaut», uraufgeführt 1893 wenige Tage vor Verdis «Falstaff», zeigt Puccini auf dem Weg zu sich selbst. Ein junger, selbstbewusster und erfolgsgeiler Komponist führt vor, was er kann. Ganz nebenbei vernichtet er – zumindest verbal – die Konkurrenz. Massenets neun Jahre zuvor erstmals gespielte «Manon» sei, so höhnte Puccini, ein Stück aus Puder und Menuett. Er wolle das Thema auf italienische Weise angehen, nämlich «con passione disperata».
Das hat er dann auch getan, freilich noch nicht mit jener Präzision von Stimmungsvaleurs und psychologischer Feinzeichnung, die ihm schon kurz darauf bei «La Bohème» zu Gebote stand. Überhaupt ist der Vergleich verblüffend. Wer den ersten Akt von «Manon Lescaut» hört, kennt automatisch auch den zweiten Akt von «La Bohème» – und umgekehrt. Viel Chor zwischen Deklamation und melodischer Umarmung. Heiteres Volkstreiben als Folie für einen sich anbahnenden privaten Konflikt. Die klingenden Gesten sind exakt dieselben. Die Tempokontraste, die instrumentalen Pointen. Nur dass im früheren Stück alles unschärfer bleibt, den Interpreten überlassen. Man könnte auch sagen: In der «Bohème» schreibt Puccini dasselbe Stück noch einmal, aber genauer. ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
Am 2. Februar 1990 mittags saßen wir im Büro von Angelo Gobbato, dem Direktor der Capetown Opera, um ihn für «Opernwelt» zu interviewen. Und hörten Radio. Denn F. W. de Klerk, der damalige Staatspräsident Südafrikas, hielt jene historische Rede, in der er die Freilassung Nelson Mandelas, die Aufhebung des Verbots des Afrikanischen Nationalkongresses und das Ende...
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und...
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