Overkill

Tschaikowsky: Mazeppa Berlin / Komische Oper

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Ein paradoxes Stück, dieser «Mazeppa». Schaurig schön. Bedrängend und berührend, elegisch und explosiv. Unmöglich, sich der zwitterhaften Musik zu entziehen: halb Choroper, halb lyrisches Dra­ma, mit einer symphonischen Battaglia vor dem düsteren Finale. In der zweiten seiner drei Puschkin-Opern nimmt Tschaikowsky kein Blatt vor den Mund: Gewalt und Leidenschaft, Liebe und Hass prallen in dem 1884 (fünf Jahre nach «Eugen Onegin» und sechs Jahre vor «Pique Dame») uraufgeführten Dreiakter ungebremst aufeinander.

Ein unter musikalischer Hochspannung stehendes Histo-Märchen zwischen Folklore und Fanfare, ­Fatum und Fanal.

Eine zwielichtige Figur, dieser Mazeppa. Bandelt mit einer Jungfrau (Maria) an, die seine Enkelin sein könnte. Lässt deren schwerreichen Gutsherrenvater (Kotschubej) foltern und umbringen, als der sich gegen ihn stellt. Knallt Marias Verehrer (Andrej) ab, als er spürt, dass alles verloren ist – nicht nur das große Glück, sondern auch der Aufstand seiner ukrainischen Kosaken gegen den russischen Zaren. Kaltblütige Führernatur, Befreiungskämpfer, Warlord, Verräter, Hasardeur, aber auch ein Romantiker mit empfindsamem Herz. Tschaikowsky findet dafür betörende Töne: Gerade ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Albrecht Thiemann

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