Apropos ... Wahnsinn

Als Lucia und Elvira bringt Elena Mosuc nicht nur ihre Figuren, sondern auch das Publikum zum Wahnsinn. In diesem Monat steht die rumänische Sopranistin allerdings mit einer Verdi-Rarität auf der Bühne: An der Oper Zürich singt sie die Medora in «Il corsaro». Premiere der Inszenierung von Damiano Michieletto ist am 22. November.

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Frau Doktor Mosuc, Sie haben über den Wahnsinn in der italienischen romantischen Oper promoviert. Reichte es Ihnen nicht mehr, diese Rollen zu singen?
Im Laufe der vergangenen Jahre hatte ich immer mehr das Bedürfnis, mich mit den Hintergründen dieser Werke zu befassen. Durch die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit fühle ich, dass ich den seelischen Geheimnissen und Abgründen der Figuren viel näher gekommen bin.


Heißt das, dass Sie Lucia und Elvira jetzt anders singen als vorher?
Meine Herangehensweise in puncto Rollenanalyse und Interpretation hat sich verändert.

Künstlerischer Instinkt ist wertvoll, aber es ist wunderbar, wenn er durch persönliche Erfahrungen und Hintergrundwissen gestärkt werden kann. Die Rollen gewinnen an Persönlichkeit und Intensität. Ich bin froh, dass ich meine Heldinnen besonders gründlich kennengelernt habe, und fühle, dass ich jetzt näher an ihrem wahren Wesen bin.


Haben Bellini und Donizetti in den Wahnsinnsszenen ihrer Opern eigentlich die medizinischen Erkenntnisse ihrer Zeit verarbeitet?
Grundsätzlich steht bei den Belcanto-Komponisten das «romantische Element» im Vordergrund, während der medizinische Aspekt einer eventuellen Psychopathologie sekundär ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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