Scherz und Schmerz
Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grausamer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine Tochter zurückgeben. Auch musikalisch beherrscht der Bariton diese Charakterisierungskunst.
Selbst in den dramatischen Höhepunkten wie in seiner vom Orchester aufgepeitschten Tirade gegen die Höflinge (Cortigiani) bleiben seine wunderbar ausgesungenen Phrasen geschmeidig. Und wenn Rigoletto am Ende seine von Sparafucile (mit schwarzem Bass: Christof Fischesser) getötete Gilda als Double im Arm hält, während sich die echte endgültig vom Vater löst und ein neues Leben beginnt, sieht und hört man einen gebrochenen Mann.
Für Regisseurin Tatjana Gürbaca ist Verdis Oper die Geschichte einer Emanzipation. Gilda ist zu Beginn ein schüchternes Mädchen, das gern Nutella isst und beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Herzog (mit fabelhafter Höhe und großer Strahlkraft: Saimir Pirgu) aufgeregt hin- und hertrippelt, ehe die beiden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger
Im Jahr 1946 spülte es den 20-jährigen Hans Werner Henze nach Heidelberg zu Wolfgang Fortner. «Fast zufällig hatte nach dem Krieg mein Weg mich nach Heidelberg geführt, einer Stadt, deren Zauber und Verträumtheit in Not geraten waren, von der Anwesenheit der wohlgenährten, gepanzerten Sieger bedrängt und in Frage gestellt. Dem mittellosen Schüler, der ich war,...
Ein Kind war er nicht mehr. Aber die Väter und Großväter machten ihm noch zu schaffen. Brahms vor allen, weniger Reger. Natürlich auch Bach. Zuchtmeister der Form, die nichts laufen ließen. Die der Fantasie Beine machten, indem sie ihr Zügel anlegten. Damit sie sich nicht im Blauen verliere, unterwegs immer ein feste Burg im Auge behalte. Was ist schöpferische...
Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum...
