Blick zurück nach vorn
Ein Kind war er nicht mehr. Aber die Väter und Großväter machten ihm noch zu schaffen. Brahms vor allen, weniger Reger. Natürlich auch Bach. Zuchtmeister der Form, die nichts laufen ließen. Die der Fantasie Beine machten, indem sie ihr Zügel anlegten. Damit sie sich nicht im Blauen verliere, unterwegs immer ein feste Burg im Auge behalte.
Was ist schöpferische Freiheit ohne Bindung an die Tradition? Ausdrucksekstasen à la Wagner, atonale Experimente, expressionistische «Gehirnakte» (Kandinsky), Zwölftonkomplexe lagen fern, als Arnold Schönberg um 1893 seine ersten Kompositionsversuche unternahm. Der 19-jährige Schüler Zemlinskys bewunderte die schlichte Einfalt des Volkslieds, paukte Kontrapunkt, studierte Muster der Variation – und geriet bald in den Bann des alten, «fortschrittlichen» Brahms. Viele der frühen Lieder bezeugen die Bewunderung, den Respekt für die konzentrierte, verdichtete Satzkunst eines Meisters, der – wie kein anderer – das Fundament für sein eigenes Schaffen legen sollte. Klar war das noch nicht, als Schönberg 1897 Paul Heyses milde «Waldesnacht» oder – in drei Anläufen zwischen 1894 und 1897 – eine Natur- und Erotikmotive überblendende «Ekloge» von Jaroslav ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Albrecht Thiemann
Als Opernkomponist ist Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) auf unseren Bühnen nur mit seinem heiteren Intermezzo La serva padrona heimisch geworden. Dabei hat er trotz seiner kurzen Lebensspanne ein stattliches Œuvre für das Theater hinterlassen, das seine Heimatstadt Jesi in einem ihm gewidmeten Festival nach und nach aus dem Dornröschenschlaf befreit. Drei...
Er schafft es immer wieder. Das scheinbar Vertraute neu zu sehen und neu zu hören. Als wären wir ihm nie begegnet. Mozart zum Beispiel schickte er vor ein paar Jahren in die Banlieues. Bach hat er befragt und Monteverdi. Und zuletzt die C(h)œurs von Verdi und Wagner. Ihren Puls, das in ihnen Pochende, aus ihnen Drängende will Alain Platel uns unter die Haut...
Alljährlich im Januar begrüßt das Berliner Ultraschall Festival das neue Jahr mit Neuer Musik. Wenngleich die Veranstalter, Deutschlandradio Kultur und das Kulturradio des rbb, während des zehntägigen Konzertreigens vor allem Instrumentalwerke zur Diskussion stellen, finden sich auch bühnenaffine Arbeiten im Programm. Diesmal konnte der Litauer Vykintas...
