Reigen
Fast siebzig Jahre hatte es nach der Züricher Uraufführung gedauert, bis Alban Bergs «Lulu» 1986 erstmals in Regensburg zu erleben war. Wiederum einundzwanzig Jahre später kam jetzt die zweite Inszenierung heraus. Intendant Ernö Weil realisierte die zweiaktige Fassung in der stimmigen Ausstattung von Daniel Dvorák, besetzt mit hauseigenen Kräften. Dass die Produktion auf ungeteilte Zustimmung traf, ist in erster Linie dem überzeugenden Konzept und den ausgezeichneten sängerischen wie darstellerischen Leistungen zu danken.
Großen Anteil am Erfolg hat das Orchester unter Raoul Grüneis. Regensburgs GMD tarierte die Balance zwischen Durchhörbarkeit und Klangdichte, spätromantischem Schwärmen und differenziertem Ausloten der kompositorischen Strukturen überzeugend aus.
Ernö Weil unterstreicht die dramaturgische Stringenz des Werks, indem er Prolog und Epilog als szenische Klammer zeigt: Nicht als wildes Tier, sondern als Opfer von Jack the Ripper wird Lulu zu Beginn und am Schluss in der Anatomie präsentiert. Im Prolog schauen die Figuren des Dramas einem in schnellen Schwarz-Weiß-Projektionen vorbeiziehenden Pandämonium menschlicher Monstrositäten zu, sind sie unbeteiligte Personen wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Warum Düsseldorfs Opernchef Tobias Richter als letzte Neuproduktion für die räumlich beengte Ausweichspielstätte RheinOperMobil ausgerechnet Charles Gounods «Faust» auf den Spielplan setzte, bleibt auch nach Besichtigung des musikalisch-szenischen Ergebnisses eine offene Frage. Nicht die frühe Dialogfassung von 1859 wird gespielt, sondern die erheblich erweiterte,...
Die Klage «Manca la diva» kann man heute nur noch selten erheben, wenn es um Aufführungen des romantischen Belcanto-Repertoires geht, und auch die Tenöre singen technisch und stilistisch meist kompetenter als ihre Vorgänger vor einem halben Jahrhundert. Doch die Frage, wie man den Werken szenisch adäquat beikommt, ohne den Primat des Gesangs anzutasten, wird in den...
Mirella Freni, Margaret Price, Renata Tebaldi und, natürlich, Magda Olivero – nahezu untrennbar ist «Adriana Lecouvreur» mit den großen Sängerinnen des Jahrhunderts verknüpft. Francesco Cileas Schauspielerinnentragödie ist das Divenstück par excellence, und wenn ein Theater die «Adriana» auf den Spielplan setzt, dann eigentlich nur, weil es damit einer Primadonna...
