Belcanto der Unterwelt
Die elsässische Opéra national du Rhin bemüht sich regelmäßig um Ur- und Erstaufführungen – und eröffnete die neue Spielzeit mit Régis Campo (Jahrgang 1968) und seiner Novität «Quai ouest». Als Koproduzent ist das Staatstheater Nürnberg mit im Boot. Dort ist Campo in dieser Spielzeit auch composer in residence. Der Nürnberger GMD Marcus Bosch steuerte bei der Straßburger Premiere denn auch das tüchtige Orchestre symphonique de Mulhouse hellhörig und mit großem Nachdruck durch die gediegen-postmoderne Partitur.
Den Titel entlehnen die pausenlosen anderthalb Stunden bei Bernard-Marie Koltès' Schauspielvorlage, die zwar eingedampft, ansonsten aber bis aufs letzte Komma befolgt wurde.
New York? Hudson River? Kann gut sein. Wir sind jedenfalls irgendwo am Wasser. Da, wo es am unappetitlichsten ist. Wie am Todesfluss der Antike. In einer riesigen, aufgegebenen Lagerhalle im Niemandsland. Ein steinreicher Finanzmensch – Koch heißt er, hat einen Jaguar, allerlei Luxus-Accessoires und Dreck am Stecken, was mit Veruntreuung – erscheint mit seiner Sekretärin, um sich an diesem Unort zu ertränken. Am Ende wird er auf Verlangen abgeknallt. Es ist der Bodensatz der Gesellschaft, auf den er ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Heinz W. Koch
Die Musik von Bach bis Richard Wagner und Richard Strauss ist Höhe- und Schlusspunkt göttlichen Menschentums, letzte Erfüllung und Enthüllung des Mythos.» Am 25. Februar 1944 wurde dieser erhaben gestimmte Satz zu Papier gebracht – freilich nicht von einem Parteigänger der Blut-und-Boden-Ideologie, der im Angesicht des drohenden Untergangs verzweifelt die Vormacht...
Ein kühler Herbstbeginn in Österreichs Metropole. Passend dazu Tschaikowskys «Charodeyka» («Die Zauberin») im Theater an der Wien. Schon das Vorspiel dieses Werks tauscht die scharfkantige Helle des Sommers ein gegen ein trüberes Licht, das bereits die Kürze der Wintertage in sich trägt. Und deren Schwermut. Der Lebensfreude, die der Chor zu Beginn des ersten Akts...
Sie wütet und weint, kämpft und klagt. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe ist diese Zauberin. Ihr schlimmster Feind, der Kreuzritter Renaud, wird zu ihrem Liebhaber, der sie am Ende wieder verlässt. Gluck verleiht der Titelfigur seiner Oper «Armide» große emotionale Tiefe. Miriam Clark kostet mit ihrem beweglichen, runden Sopran jede Nuance dieses...
