Radikal jung, immersiv, explosiv
Dieser Klang kommt nicht aus der Stille. Er flutscht und knallt aus den Kehlköpfen heraus, mit einer Kraft, die einen beinahe umhaut: «Tschu-Tschu-Tschu!» Und noch einmal: «Tschu-Tschu-Tschu!» Auf den kollektiven Schrei folgt ein Tanz, der das Zeug zur rituellen Orgie hat. Furios ist dieser Tanz, feurig, fetzig, völlig enthemmt; ein Vulkan aus Expressivität und Ekstase bis zur totalen Erschöpfung. Sein Ausbruch verwandelt das elegante Foyer der Nationale Opera Amsterdam binnen Sekunden in ein schier berstendes Energiefeld.
25 junge Frauen und Männer, vereint zu einer Skulptur aus Stimmen und Körpern auf glatt-hartem Boden. Gäbe es so etwas wie die Erfüllung von Wagners Wunsch «Kinder, schafft Neues!», hier wäre der Ort, wo das geschieht. Wow!
Oder besser: «WILD». So nämlich nennt sich die knapp halbstündige Choreografie aus Tanz und Musik und Schauspiel, die der flämische Theatermacher Gregory Cears mit Studenten der MBO Theaterschool Rotterdam realisiert hat. Es geht dabei um das Unbeherrschbare, das Fremde, aber auch: das Eigene. Um Dinge also, die wunderbar zum Thema des diesjährigen Opera Forward Festivals passen: «Identität und Konfrontation – Angst vor dem Unbekannten».
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Jürgen Otten
Der Name klingt nicht nach Afrika. César Francks «Hulda» spielt im frühmittelalterlichen Norwegen, zur Zeit der kriegerischen Sippen. Der belgisch-französische Komponist hatte für sein Opernprojekt das erfolgreiche Drama «Halte-Hulda» des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson ausgewählt. Mit der Psychologie der Vorlage vermochte das Libretto...
Shibuya Crossing, an einem milden Februar-Abend. Wenn die Fußgängerampeln Grün zeigen, ist von den strahlendweißen Zebrastreifen, die Tokios berühmteste Straßenkreuzung zieren, nichts mehr zu sehen. Aus allen Richtungen ergießen sich gigantische Menschenwellen auf den Asphalt. Sie strömen an den Rändern des von trendigen Shopping Malls, von Wolkenkratzern und...
«Celan» (1998/99), «Hölderlin» (2008) und «Benjamin» (2015/16) heißen die drei Musiktheaterwerke, die Peter Ruzicka bisher vorgelegt hat und aus deren jeweiligen Klang- wie Denk-Konstellationen er späterhin auch namensentsprechende «Symphonien» destilliert hat, darunter die Ende März 2018 vom hr-Symphonieorchester unter Leitung des Komponisten uraufgeführte...
