Passionsspiel
Und immer wieder, überraschend wie das Fingerschnippen des Hypnotiseurs, dieser Akkord in strahlendem C-Dur, pures in Musik gegossenes Weißgold: In wenigen Takten am Ende seines «Król Roger» widerruft Karol Szymanowski den «Tristan»-Schluss, der ursprünglich wohl geplant gewesen war: Nicht Vergehen in unbewusst höchster Lust, sondern Reifung durch Erkenntnis und Eingeständnis. Dies, nachdem der Titelheld davor zwischen politischer Realität, Konventionen (die Ehe mit Roxane) und zunächst uneingestandenem homoerotischem Trieb changierte.
Er habe in der aufgehenden Sonne «zu sich selbst gefunden», vermerkt das Programmheft der Grazer Aufführung. Ein in Musik gefasstes Coming-out?
Die Bekenntnis-Perspektive dieses lange übersehenen, doch in letzter Zeit wieder häufiger gespielten Werks ist ja kaum maskiert: Szymanowski suchte sein eigenes Schwulsein künstlerisch zu sublimieren. Er formte «Król Roger» grosso modo nach den «Bakchen» des Euripides, wo ebenfalls Verantwortungsbewusstsein (Pentheus) und Verführung (Dionysos) aufeinanderprallen – speziell in der Kernszene, da Thebens Herrscher sich vom Gott des Triebes als Frau verkleiden lässt. Ihr ist in «Król Roger» die große ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Gerhard Persché
«Celan» (1998/99), «Hölderlin» (2008) und «Benjamin» (2015/16) heißen die drei Musiktheaterwerke, die Peter Ruzicka bisher vorgelegt hat und aus deren jeweiligen Klang- wie Denk-Konstellationen er späterhin auch namensentsprechende «Symphonien» destilliert hat, darunter die Ende März 2018 vom hr-Symphonieorchester unter Leitung des Komponisten uraufgeführte...
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...
Seit fünf Jahren hatte er nicht mehr vor einem Orchester gestanden, sich in sein Haus am Mondsee im Salzkammergut zurückgezogen. Als er spürte, dass Körper und Geist nicht länger den rigorosen Ansprüchen genügten, die er an sich und andere stellte, trat er aus dem Rampenlicht, das er eigentlich nie gesucht, eher als unvermeidliche Begleiterscheinung des Berufs...
