Filmreif
Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm den Kirchenraum einer protestantischen Sekte amerikanischer Couleur. Das Blassrosa ihrer Gewandung (Kostüme: Tabea Braun) ist das hervorstechende Erkennungsmerkmal. Orgel und Cembalo gehören zum Mobiliar.
Auf ihnen gehen die Generalbassisten im priesterlichen Habit ans häufig aufreizend disharmonische Werk.
Das religiöse Ambiente steht für die gesellschaftliche Sphäre, gegen die der egozentrisch-rebellische erotische Drang des Titelhelden anrennt. Der Exponent dieser bürgerlichen Ordnung ist Don Ottavio. Zuerst stürzt er in (rosa!) Unterwäsche aus Donna Annas Haus, sodann präsentiert er sich als Militär wie als Rittmeister. In dem Kultraum krabbelt der tote Komtur aus dem Erdreich, vollzieht Giovanni auf seinem Fest einen Ritualmord und lässt sich’s an der üppig bestückten Tafel wohlergehen, bevor er sich per Aufzug in ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Heinz W. Koch
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