Frohsinn zum Abgewöhnen
Ein Broadway-Klischee jagte das nächste, kaum ein Witz, der dem Publikum einen matten Lacher entlockt hätte: Die Neuproduktion der «Fledermaus» von Jeremy Sams (Regie) und Douglas Carter Beane (Neufassung des Librettos) an der New Yorker Met besaß, man kann es nicht anders sagen, den Charme eines misslungenen Soufflés. Obendrein servierte sie, (kultur-)historisch, alle möglichen Ungenauigkeiten. So gilt die Einladung, die den Bühnenvorhang ziert, lapidar für den «31. Dezember 1899» statt für «den letzten Abend des 19.
Jahrhunderts», wie auf der Bühne immer wieder zu vernehmen war. In der Ballszene bietet Rosalinde, als ungarische Gräfin maskiert, den Österreichern ihren Csardas aus «Zorn über euren Einmarsch» dar. Gabriel von Eisenstein wird – auch das zur Amtszeit des antisemitischen Politikers und Wiener Bürgermeisters Karl Lueger äußerst unwahrscheinlich – als jüdischer Parvenu porträtiert (offenbar vor allem, um beim Publikum mit jiddischen Ausdrücken zu punkten, die freilich schon vor Jahrzehnten von amerikanischen Komikern ausgeschlachtet wurden).
Von dem vorab angekündigten «düsteren Einschlag» der Inszenierung war nichts zu sehen und nichts zu hören. Stattdessen setzen Sams ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von David Shengold
Christian Gerhaher hat in Kanada mit Kent Nagano und dem Orchestre symphonique de Montréal die «Lieder eines fahrenden Gesellen» erstmals in der Orchesterfassung eingespielt, außerdem die «Kindertotenlieder» und «Rückert-Lieder». Die neue CD ist gleich zweimal erschienen. Einmal einzeln, einmal als Teil einer Sammler-Edition mit dreizehn CDs. Die Gerhaher-Box...
Die 1766 errichtete St. Paul’s Chapel – Manhattans ältestes durchgängig genutztes Gebäude – überlebte die von den Briten gelegten Brände der Revolutionszeit um 1776 ebenso wie die Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center, dessen Türme nur wenige Straßenecken entfernt in sich zusammenfielen. Ein Wahrzeichen der Wiedergeburt, eignet sich St. Paul’s...
Das Schlosstheater in der Schwetzinger Sommerresidenz der pfälzischen Kurfürsten gehört zu den wenigen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, die sich in Deutschland erhalten haben. Im Frühjahr nutzt es der SWR für die von ihm begründeten Schwetzinger Festspiele, im Juli das Nationaltheater Mannheim für den alle zwei Jahre veranstalteten «Mozart-Sommer». In der kalten...
