Ironisches Doppelspiel
Ein Lächeln, hinter dem sich eine unversehrte Vergangenheit verbirgt: Wir können uns nicht erinnern, wo wir diesen sinngemäß rekapitulierten Satz gelesen haben. Stammt er aus Pascal Merciers «Klavierstimmer»? Auf jeden Fall blieb er in sicherer Erinnerung und fällt uns beim Anhören von Jodie Devos’ Recital «Offenbach colorature» ein.
Die junge Belgierin mit der so stupend geläufigen, zugleich elegant tönenden Gurgel hat sich mit der Suchmannschaft von Palazzetto Bru Zane zusammengetan und präsentiert in diesem Album Fundstücke aus dem weiten Offenbach’schen Operettenland, vor allem aus jenen Départements, die auf der diesbezüglichen Landkarte noch immer eher weiß sind.
Wobei Devos nicht nur Charme, Verve und Virtuosität ins Spiel bringt, sondern zugleich mit viel tongue in cheek auf das ironische Doppelspiel verweist, das der in Frankreich naturalisierte Kölner in seiner Musik trieb. Beispielsweise in Corillas «Les plus beaux vers sont toujours fades» aus «Vert-Vert», in der sich eine Sängerin über ein borniertes Publikum mokiert, das oft zu blöd wäre, Texte zu verstehen, und sich bloß auf die Rouladen konzentriert. Einzig in den Garnisonsstädten wisse man singende Damen richtig ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Gerhard Persché
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