Der verkleidete Kriegsheld
Weiße Kuschelwolken, gleißender Himmel, ruhige See. Die Schönen der Insel aalen sich auf einer schicken, zweistöckigen Landungsbrücke. Ein herrlich süßes ägäisches Nichtstun-Leben auf der Insel Skyos geht einen Tag weiter. Wäre da nicht das so lustig hereintuckernde U-Boot, das nicht nur schnittige Soldaten auswirft, sondern auch Ärger, Kriegsnachrichten, Todesahnung. Am Ende hat sich Paul Steinbergs glamouröse Strand-Szenerie eingedunkelt und verengt. Rot und Schwarz herrschen vor.
Aus Constance Hoffmans edlen neogriechischen Bademoden im Hollywood-Look wurden unversehens Rüstungen und gereckte Schwerter. Und Deidamia, die Tochter des Inselkönigs Licomedes, darf zwar noch ihren Achill notheiraten, doch der muss in den Trojanischen Krieg. Der eigens angereiste Odysseus und sein Land nehmen ihn nämlich in die Pflicht. Er wird nicht mehr zurückkommen. Alle wissen es, dennoch beschwören sie trügerisches Eheglück.
Händels letzte italienische Oper, die 1741 komponierte «Deidamia», führt zu Unrecht ein Schattendasein in dessen Werkverzeichnis. Zwar weist die Partitur keine wirklichen Hits auf, aber man erlebt eine psychologisch glaubwürdige Mythologie, die aus dem üblichen ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Manuel Brug
Kein Wald, «schattig und ernst, doch nicht düster». Das «Gebiet des Grals», so wie es sich auf der Bühne der Opéra de Lyon darstellt, hat eher was von einer Ödnis. Der Boden, ausgedörrt und durchfurcht, lässt nicht mal andeutungsweise jene «Lichtung» erahnen, von der bei Richard Wagner die Rede ist. Wie ein Lavastrom teilt ein Rinnsal, mal klar, mal blutig, die...
Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina». Zwei selten gespielte Künstleropern...
Dass (Opern-)Komponisten mit fortgeschrittenem Alter die Komik für sich entdecken, ist gar nicht selten. Verdis «Falstaff» ist sicher das bekannteste Beispiel. Doch auch Jules Massenet hat gegen Ende seiner Laufbahn mit «Panurge» (1911-1912 – posthum 1913 uraufgeführt) und zuvor mit «Don Quichotte» (1909) zwei komische Opern vorgelegt. Von der überbordend...
