Händel: Admeto
Gegen die Unbefangenheit, mit der die Barockoper antike Dramenstoffe für ihre Zwecke verwurstete, sind die Bearbeitungen des modernen Regietheaters geradezu harmlos: Weder Georg Friedrich Händel noch die italienischen Librettisten, die im 17. Jahrhundert das Textbuch des «Admeto» geschrieben hatten, fanden offenbar irgendetwas dabei, das Euripides-Drama um die heroische Thessalier-Königin Alkestis mit dem barocktypischen Netz verzwickter Liebeshändel zu überziehen.
Kaum dass die tapfere Frau, die für ihren Gemahl Admeto in den Tod gegangen war, von Herkules aus dem Hades zurückgeholt worden ist, muss sie erleben, dass der eben noch moribunde Potentat schon drauf und dran ist, die fesche Prinzessin Antigone zu ehelichen. Aus dem Hohelied der Gattenliebe wird bei Händel ein Lehrstück über die Flüchtigkeit menschlicher Gefühle, die freilich niemals verdammt werden, sondern sich selbst in den heillos pubertären Triebregungen von Admetos Bruder Trasimede noch ihr arioses Existenzrecht einfordern. Eine ernste Sache mithin, die einen Regisseur mit psychologischer Klarsicht fordert – einen Luc Bondy oder vielleicht auch einen Michael Thalheimer.
Für den Countertenor Axel Köhler, der in ...
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