«I want more life»
Die in einer mikroskopisch kleinen Geheimschrift verfassten Texte des späten Robert Walser galten lange Zeit als nicht dechiffrierbar. Auf andere Weise verrätselt sind die Texte durch die Abfolge von Sätzen, die den Vorgang des Schreibens thematisieren und, wie Walter Benjamin anmerkte, «den vorigen vergessen zu machen» versuchen: Manifest der Spätkunst eines Autors, der ständig schreibend sein Werk verschließt.
Der mit dem Rücken zum Publikum sitzende Mann am Klavier in der Hamburger opera stabile wendet den Kopf und murmelt, was zwar bei der Lektüre des Programmheftes verständlich ist, aber in der Aufführung ob des Flüstertons kaum verstehbar war: «Edith liebt ihn. Hiervon nachher mehr. Vielleicht hätte sie nie zu diesem Nichtsnutz, der kein Geld besitzt, Beziehungen anbahnen sollen.» Es sind die ersten Zeilen von Robert Walsers 24-Seiten-Mikrogramm «Die Räuber», auf das Johannes Harneit, der Mann am Klavier, zusammen mit seinem Librettisten Torsten Beyer für eine gleichnamige Text-Musik-Collage zurückgegriffen hat: eine Auftragsarbeit der Hamurger Kulturstiftung.
Nach der Introduktion treten zwei Frauen in den dunklen Raum, postieren sich hinter einem Pult, sagen «so ... so» ...
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Operette unterm Hakenkreuz: Den Titel der Tagung nimmt mein Beitrag ernst und wörtlich. Das kann nur heißen: wie es der singulären Operette – überhaupt und insgesamt – im Zeitraum und Machtbereich der Nazidiktatur ergangen ist. Und den Gegenstand Operette selbst nimmt mein Beitrag ebenso ernst und wörtlich wie ihn jedes seriöse Nachschlagewerk definiert. Nämlich...
Früher sprach man gern vom «Fluch der Technik», wenn im Theater etwas schief ging. Hagens Intendant Rainer Friedemann variiert ihn als «der Teufel im PC». Denn erst machte sich bei der Premiere von Alexander Zemlinskys Opernkomödie «Kleider machen Leute» der «klemmende» Computer für die Kulissensteuerung unangenehm bemerkbar, bei der zweiten Vorstellung ging dann...
Der beste Teil der Vorstellung fand in der Intendantenloge rechts über dem Orchestergraben statt. Dort saß Plácido Domingo und dirigierte die Oper von Anfang bis Ende mit. Seine Fingerspitzen malten melodische Linien, manchmal markierte er mit den Handflächen die Metrik. An Piano-Stellen senkte er den Kopf, und es schien, als würde er jede Phrase, die auf der...
