Mozartianisch

Frieder Bernius hat eine Rübezahl-Oper von Franz Ignaz Danzi ausgegraben: «Der Berggeist»

Opernwelt - Logo

Der Titel lockt den Hörer in die Märchenwelt – und in die Irre: Eine «romantische Oper» nennt Franz Ignaz Danzi seinen 1813 in Karlsruhe uraufgeführten Zweiakter, doch ein Vorläuferwerk des «Freischütz» ist «Der Berggeist» nicht. Dafür ist der 1763 geborene Danzi zu sehr Mozartianer. Auch wenn er Geister und Gnomen, Nixen und Meerungeheuer auftreten lässt, äußern die sich doch singend ganz in der Tradition der «Zauberflöte».

Die reichlich umständliche Geschichte kreist um Rübezahl, der hier jedoch nicht als gefährlicher Frauenräuber, sondern als geläuterter Geist erscheint. Als Strafe für seine früheren Missetaten wurde seine Gattin in einen hundertjährigen Schlaf versetzt. Aus diesem kann sie nur eine «edle und biedere» Jungfrau befreien. In allerlei Verkleidungen versucht Rübezahl, ein Bauernmädchen namens Anne zu der Tat zu bewegen, was ihm auch gelingt. Am Ende sind Geister wie Menschen wieder in ihren Sphären glücklich vereint.

Danzi findet im «Berggeist» eingängige Melodien, er ist ein eleganter Instrumentator und hat ein feines Gespür für Proportionen. Doch er will das Genre keineswegs revolutionieren, versucht nie, das Verhalten seiner Figuren zu psychologisieren. Von der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Weltpolitischer Ballast

Die Opern von Richard Strauss gehören in Glyndebourne seit Jahrzehnten zum Repertoire. Katharina Thomas hätte ihre Neuproduktion von «Ariadne auf Naxos» also gar nicht mit künstlichem Lokalkolorit schminken müssen, um dem Publikum ihr britisches Regiedebüt schmackhafter zu machen. Dennoch verlegt sie Prolog und Oper unverkennbar ins Glyndebourner Landhaus von...

Filmreif

Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings ­einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm...

Aufreizend harmlos

Dieser Mann musste nach oben. An die Spitze ­einer mafiosen Gesellschaft. Trenchcoat-Machtmenschen haben ihn, den Schwächling, dazu benutzt. Anders sie. Diese Frau will nach oben, mit allen Mitteln. Viel haben Simon und Amelia demnach nicht gemein. Nicht einmal die Gene, wie ­Regisseur Dmitri Tcherniakov behauptet. Eine  Fremde ist sie, eine falsche Tochter, die...