Weg mit den Alten
Es gibt ihn also doch noch. Den roten Opernvorhang. Er teilt die Welt in ein Diesseits der schnöden Realität und ein Jenseits der magischen Möglichkeitsform des Musiktheaters. Just am Theater Luzern, wo der sonst gern selbst regieführende Intendant Benedikt von Peter in mutigen Raumkonzepten an der Aufhebung eben dieser Trennung arbeitet, behauptet die Oper dank der Inszenierung des einstigen Chéreau-Assistenten Vincent Huguet einfach mal wieder ihre Eigenweltlichkeit.
Da dürfen Juliette (Regula Mühlemann) und Roméo (Diego Silva) als wahre Novizen der Liebe so herzerweichend knutschen, sich gar inniglich umschlingen, als hätte es ein ironische Brechungen und kritische Befragungen bemühendes Regietheater nie gegeben.
Doch es geht hier nicht (nur) um die äußerliche Renaissance einer vergangen geglaubten theatralischen Tradition, sondern sehr wohl um die steinharten Verkrustungen in den Köpfen und Herzen jener Menschen, die der unerlaubten Liebe des zum Mythos geronnenen Pärchens partout keine Chance geben wollen. Die archaischen hohen Mauern, die Aurélie Maestre auf die kleine Luzerner Bühne gestellt hat, sind mindestens so klaustrophobisch wie die «Elektra»-Bildwelten der letzten, ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Peter Krause
Sie sehen alle fast gleich aus: blond, hübsche Kleidchen, den Kopf gesenkt. Immer wieder kommt einer aus des Herodes Partygesellschaft und holt sich eines der vermutlich sehr jungen Mädchen. So ist das in dieser Welt. Salome aber, von Ingela Brimberg souverän, ganz ohne falsche Kleinmädchentöne vorgestellt, ist groß da, wo sie groß sein muss, wenn sie «Du wolltest...
Ein Klang zerschneidet die Stille der Nacht. Reißt ein Loch in die Welt des Traumes, aus dem die junge Mutter gerade in diesem Augenblick wie trunken ans dämmrige Licht taumelt, orientierungslos, einsam verloren. Niemand da, der ihr helfen, sie stützen könnte, nur diese Solo-Violine, die in der höchsten Lage schmerzensreiche Töne von sich gibt und die Erinnerung...
Mit seiner ersten Oper «Benvenuto Cellini», die 1838 an der Pariser Opéra herauskam, hatte Hector Berlioz wenig Glück. Dramaturgische Schwächen und musikalische Längen standen einem Publikumserfolg im Wege. Auch spätere Überarbeitungen (etwa für Franz Liszt in Weimar) hatten nicht die gewünschte Wirkung. Erst in den 1960er-Jahren, als Nicolai Gedda den wie für...
