Glück im Unglück
Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach kurzer Babypause bei diesem Rollendebüt im ausgezeichneten Ensemble des Mariinsky Theaters aus St. Petersburg Maßstäbe.
Mit ihrem samtigen, dunkel glühenden Sopran veredelt sie die Lyrismen der ganz nach innen gerichteten Titelpartie. Gerade die Anfänge und Schlüsse ihrer Phrasen sind vollendet. Selbst in dramatischen Ausbrüchen wie beim Lichtduett mit Piotr Beczala (als Graf Tristan Vaudémont) verliert sie nie ihre perfekte Linienführung. Es liegt auch an der Begleitung durch das Orchester des Mariinsky Theaters, dass sich Netrebkos Pianokultur so frei entfalten kann. Dirigent Valery Gergiev spitzt nichts zu. Er lässt diese kantable, ins Süßliche tendierende Musik aus Tschaikowskys letzter Oper fließen. Die Solisten trägt er auf Händen. Ein dunkler, edler Streicherklang bettet die weit gespannten Gesangslinien.
Mit dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als der Dirigent John Crosby (der unter anderem bei Paul Hindemith in Yale studierte) Mitte der 1950er Jahre in der Wüste New Mexicos, ein paar Kilometer außerhalb von Santa Fe, eine Schweinefarm kaufte, wusste er genau, was er wollte. Der passionierte Opernfan ließ dort ein Freilufttheater mit atemberaubendem Blick auf die Jemez Mountains errichten. Das war die...
Man fährt nicht der schönen Stimmen wegen nach Martina Franca. Die Gemeinde neugieriger Melomanen, die sich seit 1975 regelmäßig in der apulischen Barockstadt trifft, treibt Entdeckerlust. Viele lange nicht gespielte Stücke aus Barock, Romantik und Verismo oder bekannte Titel in ungewöhnlichen Fassungen lernt man nur hier kennen. Die Regie arrangiert meist...
Herbstlaub, Asche, Staub. Acht betongraue Himmelstürme ragen in den Schnürboden. Bleischwer ist die Luft, von den Klagelauten aus den Büchern Jesaja und Jeremia und vom Gehämmer der Trümmerfrauen. Alles schmeckt hier nach Apokalypse, nach Endzeit – die Sprache, die Geräusche, die Musik, der Raum. «Am Anfang» hat Anselm Kiefer seine Installation für die Pariser...
