Operntod am Valentinstag
Mimì strahlt. Frisch erwachte Liebessehnsucht zu Rodolfo steht ihr ins Gesicht geschrieben. Dabei müsste sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon eine Leiche sein, den Opernfilmtod ist sie bereits am Valentinstag gestorben. Ins melodisch verklärte Ende gehustet hat sich die moribunde Anna-Mimì, der die Kunst der Maskenbildnerei selbst die wonnige Kindshoffnung aus den rosigen Wangen wegschminken konnte, diesmal nicht im Pariser Quartier Latin oder wenigstens in einem berühmten Opernhaus, sondern in den Wiener Filmstudios am Rosenhügel.
Und soeben ist sie für die Café Momus-Szene, die danach gedreht wird, wiedererstanden.
Wir sind dort, wo sich Romy Schneider erstmals die Sissi-Haut überstülpte, die sie nie wieder loswurde. Nun lässt der Mann, der die immer noch lukrativen «Sissi»-Rechte hält, einen neuen Weihnachtsfilm entstehen. Der gebürtige Slowake Jan Mojto (59) glaubt fest an die Kraft der Oper. Und so hat der TV-Eventfilmproduzent («Napoleon», «Krieg und Frieden») aus der Konkursmasse von Leo Kirch dessen Opern- und Musikfilmsparte Unitel gekauft und sie nach Jahren der reinen Archivpflege im Zuge des DVD-Booms wieder zu Neuproduktionen aktiviert. Jetzt soll ein «La ...
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Seit Anfang des Jahres fixierten in der Londoner Untergrundbahn zwei auffällige Augenpaare eilige Hauptstädter und schlenzende Touristen: zwei Bilder, zwei Mädchen, kaum Frauen schon. Eine Lolita, mit lasziv halb geschlossenen Augen, vollroten Lippen machte herausfordernd Werbung für die neue «Salome» an der Royal Opera; ein selbstbewusst-traurig den Betrachter...
Mit dem Serail als Fluchtort erotischer Fantasien hat Johan Simons nicht viel im Sinn: Von der ganzen Türkenpracht ist in seiner Inszenierung von Mozarts «Entführung» nur eine schäbige Kulisse geblieben – und selbst die kracht am Ende noch zusammen. In einem heruntergekommenen Boulevardtheater lässt der niederländische Schauspielregisseur und künftige Leiter der...
Es gerät leicht in Vergessenheit, dass die Titelpartie von Richard Strauss’ «Elektra» nicht nur ein Vehikel für hochdramatische Soprane ist, sondern zu mindestens fünfzig Prozent aus lyrischen Passagen besteht. Nicht nur die durchdringenden «Agamemnon»-Rufe, sondern auch die zaghaft aufblühende Hoffnung der Orest-Szene prägen den Charakter der Atriden-Prinzessin,...
