Fin de Siècle
Seine Kollegen in Essen, Hamburg oder Stuttgart dürften den Frankfurter Intendanten Bernd Loebe beneiden. Während sie selbst sich seit Jahr und Tag mit bescheidenen fünf (Essen sogar nur mit vier) Neuproduktionen pro Spielzeit zufrieden geben müssen, kann Loebe deren elf vorlegen – eine Zahl, aus der die beiden konzertanten Aufführungen in der Alten Oper bereits herausgerechnet sind.
Loebe ist allein schon deswegen im Vorteil, weil er das Opernhaus seit der 2004 erfolgten Trennung von William Forsythe nicht mehr mit der Ballettkompagnie teilen muss und darüber hinaus mit dem Bockenheimer Depot über eine zweite Spielstätte verfügt. Dort hat die Frankfurter Dramaturgie im Lauf der Jahre höchst gegensätzliche, künstlerisch aber allemal markante Schwerpunkte gesetzt, die den opulenten Spielplan ergänzen und hier besser aufgehoben sind als im Opernhaus. Das gilt gleichermaßen für die Barockoper (u. a. mit einem Monteverdi-Zyklus) wie für die diversen Spielarten des modernen Musiktheaters (u. a. mit Werken von Britten, Georg Friedrich Haas, Jörn Arnecke und Helmut Oehring). Aber auch Randnischen des Repertoires wurden mit Haydns «L’isola disabitata» oder Mozarts «La finta semplice» in ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Uwe Schweikert
Eigentlich hätte John Adams’ erfolgreicher Opernerstling schon längst einen festen Platz im Repertoire der Metropolitan Opera verdient – «Nixon in China» wurde 1987 in Houston uraufgeführt. Nun konnte der Komponist, dessen «Doctor Atomic» 2008 an der Met herauskam, in diesem Haus sein Debüt als Dirigent feiern, schon sein bloßes
Erscheinen entfesselte einen...
Der zweite Akt von Rossinis vorletzter Oper spielt im Schlafzimmer. Das bedeutete 1828 sogar in Paris einen Tabubruch, zumal wenn der schürzenjagende Titelheld sich dort handgreiflich der Schlossherrin zu nähern versucht. Wohl in keiner Oper vor Offenbachs «La belle Hélène» wird so viel schlüpfrige Erotik gezeigt – geradezu atemberaubend in dem Terzett, in dem die...
Schlafwandlerin der Liebe ist Violetta nicht. Keine «Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», wie Alwa von Lulu schwärmt. Man mag derlei Gedankenspiele pflegen, weil Marlis Petersen 2003 mit der Titelfigur in Peter Konwitschnys Hamburger Inszenierung von Alban Bergs Oper ihren Durchbruch schaffte. Und weil sie nun in Graz erstmals die Traviata...
