Alles Banane
Da war sie mal wieder, die Tristesse, die unserem guten, alten Stadttheater zu schaffen machen kann. Da müht sich die Freiburger Oper rechtschaffen mit einer deutschen Erstaufführung ab, zählt also auf die Neugier ihres Publikums. Und was geschieht? Bereits am zweiten Abend von Michaël Levinas‘ Genet-Vertonung «Les Nègres» bewegt sich der «Andrang» nur knapp diesseits der Demarkationslinie zum Blamablen. Das Vertrackte dabei: Der missionarische «Ihr ahnt ja nicht, was Ihr da verpasst»-Zeigefinger ist auch kaum am Platz. Freiburg hilft schwerlich einem dringenden Bedürfnis ab.
Die respektable Anstrengung hätte Vordringlicherem zugute kommen dürfen.
Levinas, Jahrgang 1949, in Frankreich viel beachteter Komponist, Pianist und Philosophensohn, folgt in seiner dritten Musiktheaterarbeit der Vorlage recht genau. Im Januar 2004 in Lyon uraufgeführt (OW 3/2004), greift sie Jean Genets schwer nacherzählbare «Clownerie» um Schein und Sein, dieses hasserfüllte Spiel-im-Spiel-Ritual Schwarzer für Weiße getreulich auf, in dem nicht sicher ist, ob ein Mord ein Mord und eine (unsichtbare) Leiche eine Leiche ist.
Ursprünglich sollte das einmal von Johann Kresnik hergerichtet werden – ein nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit der «Proserpina» des erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckten deutsch-schwedischen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus sowie der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper «Kälte» («Da gelo a gelo») hat sich Schwetzingen einmal mehr zu seiner Vorliebe für das Ausgefallene und Aparte bekannt. Beide Male wurde der Mut zum Risiko...
Der Zuschauerraum des Innsbrucker Landestheaters spielt in diesem «Don Giovanni» immer mit, nicht nur wenn in der hier favorisierten Wiener Fassung Zerlina den Schwindler Leporello frech herausfordert und hinter dem Dirigenten an einen Stuhl fesselt. Von Anbeginn ist klar: Hier wird Theater gespielt. So schleichen sich die Figuren noch vor ihrem eigentlichen...
Dass Peter Sellars die Haare zu Berge stehen, ist nicht Ausdruck emotioneller Exaltiertheit, sondern gehört zu seinem Styling. Den Schrecken tragen bei seinen Inszenierungen eher jene davon, die missverständlich glauben, Werktreue heiße, ein Stück zu spielen «wie es im Büchel steht». Wobei sie im Grunde nicht die Herstellung der Uraufführungsbedingungen fordern,...
