Auf Nebenwegen
Manche mögen’s laut. Seit Edgar Varèses Orchesterdetonationen hat sich kaum ein Komponist so lustvoll fortissimo ausgetobt wie Samir Odeh-Tamimi. Als der in Tel Aviv geborene Wahlberliner aus einer palästinensischen Familie 2010 bei der Ruhrtriennale seine erste Oper vorstellte (Leila und Madschnun), wirkte die ungestüme Energie, die kunstvoll-rohe Kraft seiner Musik gedämpft, absorbiert vom Riesenraum der Bochumer Jahrhunderthalle (siehe OW 11/2010). Auch kompositorisch zurückgenommen in die leise Poesie einer von arabischen Melismen und Rhythmen dominierten Passionsgeschichte.
Der helle Wahn des wegen einer unbotmäßigen Liebe in die Wüste geflohenen Helden artikulierte sich als ein von Flöten, Akkordeon und einem Kammerorchester getragenes Schmerzenslied – ein vielstimmiger Klagegesang voller Melancholie. So wie das Stück Madschnun II für Blockflöte und Männerchor, das im Kontext dieses Musiktheaters entstand. Es beschreibt eindringlich die innere Not des tragisch Verliebten und rasend «Verrückten», der in der einsamen Zuflucht tausendundeine Stimmen hört: gellende Rufe, nackte Laute, wortlose Schreie, wogende Glissandi. Ligetis mikropolyphone Wunderchöre haben hier ebenso Pate ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Über viele Jahre ihres Lebens war Maria (Marietta) Marcolini so etwas wie das weibliche Gegenstück zum «Invisible Man»: Man weiß nic ht genau, wann sie geboren wurde (vermutlich 1780) und wann sie starb (ihre Spur verliert sich in den 1820er-Jahren). 1811 wurde sie Liebhaberin und Mu-se des jungen Gioacchino Rossini. Sie war die wichtigste Sängerin in dessen...
Der größte Jubel gilt in dieser Eröffnungswoche nicht der Kunst, sondern dem Geld. Als Hans Peter Haselsteiner ans Rednerpult tritt, kann er nicht anfangen. Um ein Haar hätten sich alle sogar von den Plätzen erhoben. Als Dank für einen, der 20 der insgesamt 36 Millionen Euro Baukosten bezahlt hat, der mit seinem Privatvermögen von über einer Milliarde auch den...
Jetzt ist es also heraus, ein bisschen früher als erwartet, aber nicht unerwartet: Simon Rattle hört bei den Berliner Philharmonikern auf. Fünf Jahre macht er noch den Chef, dann ist Schluss. Wenn sich Rattle 2018 zurückzieht, ist er fast 64 und wieder ein freier Mann. 16 Jahre lang wird er dann bei den Berlinern den Ton angegeben haben (davor, bei «seinem» City of...
