Was heißt «Das Werk»?

Meyerbeers Robert le Diable am Royal Opera House in London

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Kritische Neuausgaben älterer Opern müssen nicht immer zu veritablen Entdeckungen führen. Im Fall von Giacomo Meyerbeers französischen Opern tun sie es jedoch ganz gewiss. Das hängt zum Teil mit der individuellen Schaffensweise des Komponisten zusammen und in noch höherem Maße mit den Arbeitsbedingungen an den damaligen Pariser Opernhäusern, vor allem dem größten und renommiertesten unter ihnen: der Opéra. Dort hatten sich bereits im frühen 19. Jahrhundert komplexe, strikt qualitätsorientierte Produktionsformen herausgebildet, die weltweit einmalig ­waren.

Sie lockten die Elite des internationalen Opernbetriebs – Komponisten, Librettisten, Choreo- wie Szenografen, Sängerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Tänzer – in die französische Hauptstadt. Gemeinsam erarbeitete man über Monate hinweg ein neues Werk, spielte alternative Versionen durch und stellte erst am Probenende aus dem inzwischen angefallenen Material eine Aufführungsfassung her, die – wie konnte es anders sein? – durch zahlreiche, überwiegend aktuellen Umständen geschuldete Kompromisse gekennzeichnet war. Er habe, schrieb Meyerbeer kurz vor der Premiere von Les Huguenots, «3/4 Stunden … gute Musikstücke» streichen müssen. ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Sieghart Döhring

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